Schule in Klein-Aschen und Hücker-Aschen

Der Schulstreit in Hücker-Aschen und Klein-Aschen von 1737 bis 1755

Der Tod des Schulmeisters Wilhelm Henrich Schröder am 30.06.1737 sollte für die Bauerschaften Hücker und Klein-Aschen unruhige Jahre bringen. Der Lehrer hatte nicht nur die Kinder zu unterrichten, sondern auch in der Klein-Aschener Kapelle Andachten zu halten. Man konnte sich um den Nachfolger nicht einigen. War es die Dickköpfigkeit einiger Bauern, die in Art einer Bürgerinitiative ihren Willen durchsetzen wollten oder Auflehnung gegen den Spenger Pastor Fuhrmann als Schulaufsichtsperson; hatte dieser wirklich die besseren Argumente? Jedenfalls wurden keine Kompromisse gemacht; die Einwohner spalteten sich in zwei Parteien, und jede beharrte auf ihrem Standpunkt. So entwickelte sich ein Schriftverkehr mit Beschwerden an den König von Preußen, von dem jede Partei „ihr Recht“ bekommen wollte.

Der von Pastor Fuhrmann unterstütze Kandidat war Johann Henrich Brinckmann, der bereits sieben Jahre in Stukenhöfen im Kirchspiel Rödinghausen unterrichtete. Ein großer Teil der Einwohner wollte dagegen Cord Henrich Vahle, der gebürtig aus Spradow war.

      In einem Schreiben an den König vom 19.12.1737 begründeten sie das so:
      „… So haben wir uns darumb Bemühet, auch unsern H. Prediger Magister Fuhrmann zu Spenge deswegen ersuchet, daß er uns doch mögte einen tüchtigen Mann dazu recommendiren, ob wir nun gleich demselben Verschiedene in Vorschlag gebracht, so ist doch Kein eintziger der Ihm gefallen hat.

      Endlig hat Er uns einen Alten Mann Nahmens Buhrman Von Lenzinghausen Vorgestellet, weil nun dieser schon ohngefehr 5. oder mehr Schuldienste gehabt, und Von den einen Platz auf den andern fleucht, welches eine anzeige einer schlechten conduite ist, in besorgung daß es uns mit ihm auch also ergehen mögte und weil er ohnehin ein Alter Mann, so hat uns nicht Thatsachen gedäucht selbigen anzunehmen; Worauf besagter H. Pastor Fuhrmann uns Zur Antwort gegeben, daß Er sonst Keinen wüste. Er hätte schon an das Ambt geschrieben, selbiges wüste auch Keinen, und sollten wir uns selbst einen Anschaffen…“.

Das steht im Widerspruch zu dem Bericht des Pastors Fuhrmann vom 20.11.1737, auf den wir noch zurückkommen. Es fällt auf, daß der Name des Kandidaten Brinckmann von den Vahle-Anhängern nie genannt wird. Wer war nun der Favorit der Eingesessenen, der „Vahlen Parthey“, wie Fuhrmann sie bezeichnet?

Diese berichten ausführlich darüber. Man habe erfahren, daß ein Adam Vahle in Spradow einen zum Schulmeister ausgebildeten Sohn hat. Als der Vater aufgesucht wurde, sei das von ihm bestätigt worden. Der Sohn halte sich allerdings seit Jahren in Amsterdam auf. Vahles Schriften und Rechenbuch habe man mitgenommen, dieses dem Pastor Fuhrmann vorgelegt und den Willen geäußert, Vahle aus Amsterdam kommen zu lassen. Der Pastor habe das für gut befunden und dazu eingewilligt.

Daraufhin sei die Mutter des Vahle nach Amsterdam gereist, um den Sohn zu informieren. Dieser habe sich bedenklich über die teure Reise geäußert und die Sorge gehabt, daß doch alles vergebliche Mühe sein könnte. Die Mutter möchte nach ihrer Rückkehr nochmals die Auftraggeber befragen, ob sie beim Wort blieben.

      Die Hücker-Aschener schrieben:
      „…so haben wir alle miteinander darauf geantwortet, daß wir Keinen anderen Verlangeten, und möchte sie solches ihrem Sohn nur Schreyben, daß Er je eher je Lieber herüber Kähme…“.

Zwei Tage nach seiner Ankunft sei Vahle von Pastor Fuhrmann examiniert worden. Dieser habe ihn für gut befunden. Der König möchte diesen tüchtigen Mann einstellen, damit die Kinder Gutes lernen, weil sie doch schon längere Zeit ohne Schulmeister seien. Pastor Fuhrmann sah das ganz anders.

      In seinem schon erwähnten Bericht an den König heißt es:
      „… Also habe der sämtlichen Bauerschaft meine Meynung, nach meinem Gewissen eräyssert und derselben unverhalten, daß ich zu dem Vahle kein Vertrauen habe und wiewohl beyde im Schreiben und Rechnen balanciren, ich dennoch, was den Catechismus und das Hauptwerck betrifft, nicht die Zufriedenheit bey Vahlen, als Brinckmann, gehabt, Da denn Brinckmann als ein siebenjähriger Schulmeister in der Übung ist, Vahle aber, nach dessen eigener bey seiner examine angeführeten Entschuldigung, sich auf die Schul-Sachen nicht appliciret, indem er erstlich 4 Jahr bey dem Dom-Syndico Cramer in Minden, hernach in Amsterdam 3 Jahr beym Weinhändeler und endlich 1 1/2 Jahr beym Hutmacher gedient…“.

Er fährt fort, daß nach Königlicher Verordnung vom 7.4.1728 doch die Schulbedienten von den Beamten unter Zuziehung des Predigers bestellt werden sollen. Der König möge doch nun dafür sorgen, daß das Heil der armen Kinder und die Erbauung der ganzen Bauerschaft gefördert würde und darum den von ihm vorgeschlagenen Schulmeister Brinckmann einstellen. Mitte Dezember kam dann auch aus Minden die Nachricht, daß dem Bewerber Brinckmann, der nach Beurteilung des Konsistoriums die besseren Qualitäten habe, die Bestätigung zum Schuldienst in Klein-Aschen erteilt worden sei. Für den Mitbewerber Vahle solle bei anderen Vakanzen gesorgt werden. Er könne sich auch um die durch Brinckmann freiwerdende Stelle in Stukenhöfen bewerben.

Regierung und Konsistorium hatten ihre Rechnung jedoch ohne die Vahle-Partei gemacht. Am 28. Dezember mußte Pastor Fuhrmann wieder zur Feder greifen und dem König mitteilen, was sich inzwischen ereignet hatte. An einem Dienstag habe er in der Kapelle zu Klein-Aschen den neuen Schulmeister Brinckmann einführen und eine Erbauungsstunde zur Vorbereitung auf das bevorstehende Weihnachtsfest halten wollen. Das sei am Sonntag zuvor von der Kanzel bekanntgemacht worden.

      Dann fährt er fort:
      „… Es unterstund sich aber des Vahlen Parthey, welche sich vor der Thür der Capelle postiert hatte, den Brinckmann, der mir in die Capelle nachfolgen wollte, wegzuschieben, mithin die vorzunehmende Handlungen zu verhindern. Ich zeigete diesen verwegenen Leuten Euer Königlichen Majestät Original-Verordnung und rieth ihnen, daß sie sich Besinnen und von ihrem importunen Beginnen abstehen möchten, indem sie sich nicht uns, sondern Euer Königlichen Majestät Selbst und Derselben allerhöchsten ordre opponirten: Allein ich bekam zur Antwort: Der König thut nichts bey unserer Schule, und sollte dieses ein argument seyn, daß die Bestellung eines Schulmeisters nicht von Euer Königlichen Majestät allerhöchsten disposition dependire, sondern vielmehr auf sie, die sie unter andern den Schulmeister unterhalten müsten, ankäme; wie sie sich denn nicht gescheut haben, an denen zurückgelegten dreyen Weyh-Nacht-Feyertagen, de facto und eigenmächtig, den Vahlen in der Capelle singen und aus einer Postille ihnen vorlesen zu lassen…“.

Man habe es an aller schuldiger Ehrfurcht vor der Königlichen Majestät, der Regierung und dem Konsistorium fehlen lassen. Vahle, der sich selbst zum Schulmeister aufwerfen wolle, und dessen Partei, die unter Hintansetzung der Wohlfahrt ihrer Schule aus Bosheit dem Bewerber Brinckmann entzogen sei, wollten nur ihren sündhaften Eigenwillen erfüllt haben. Fuhrmann bat darum, den Schulmeister Brinckmann zu schützen und den widerspenstigen Einwohnern empfindliche Strafen anzudrohen. Ende Dezember kam eine Anordnung der Regierung in Minden an die Vogtei Enger im Amt Sparrenberg, die Rädelsführer festzunehmen und auf den Sparrenberg zu bringen. Dem Vahle sei bekanntzugeben, daß er, wenn er sich noch einmal getraue auf Veranlassung der Bauern in der Kapelle zu singen, festgenommen würde und bei noch so guter Eignung zum Schuldienst dafür sein Lebtag nicht mehr in Frage käme, auch nicht für die Stelle in Stukenhöfen.

Der Amtmann der Vogtei Enger, Consbruch in Hiddenhausen, meldete, daß die Anordnung durchgeführt worden sei. Später teilte die Regierung in Minden mit, daß die verdienten Gefängnisstrafen in Geldstrafen umgewandelt werden sollten, um eine Harmonie zwischen den Bauern und dem neuen Schulmeister herbeizuführen.

Zu dieser Harmonie kam es nicht, denn die Vahle-Partei klagte nun gegen den „Schulmeister Brinckmann und Consorten“. Die Vollmacht für den Anwalt unterschrieben 30 Personen. Über den Ausgang des Prozesses ist keine Akte vorhanden.

img147Ausschnitt aus der Verpflichtung der Angeklagten gegenüber dem Anwalt vom 24.1.1755
Nachweis: Staatsarchiv Münster

 

Im folgenden Jahr, am 16. Juli 1739, wandte sich Brinckmann in seiner Verzweiflung an den König. Er schrieb, daß die Bauern bis zu dieser Stunde noch im Streit seien und große Feindschaft untereinander hätten wegen seines Schuldienstes in Klein-Aschen. Bei seiner Einführung habe er keine Schulwohnung bekommen und damals einen Bauern gebeten ihn aufzunehmen, damit er dort die Kinder unterrichten könne. Dieser habe nun den Kotten an seinen Stiefsohn vermietet, und der hätte seine (Brinckmanns) Sachen ausgeräumt und die eigenen hineingetan. Nun sei niemand bereit, ihm eine Wohnung zu geben und er wüßte nicht, wo er mit den Kindern hingehen solle. Er sei doch auf Königliche Verordnung hin in sein Amt eingeführt worden.

Seine Vorgänger hatten von den Zuwendungen für die abgehaltenen sonntäglichen Nachmittagsbetstunden 14 Tage lang leben können; ihm habe man aber im vergangenen Jahr (1738) nur ein paar Garben Korn gegeben. Der Drost v. Münch habe von dem Hof Meierotte 24 Mariengroschen für die ihm (Brinckmann) zustehende Stiege Roggen einziehen müssen, weil die Widerspenstigen ihm diese nicht geben wollten. Schließlich beklagt sich Brinckmann, daß seine Vorgänger im Amt beim Singen mit den Kindern bei Beerdigungen neun Mariengroschen erhielten, ihm aber nur vier zugebilligt wurden. Man wolle ihm sein Brot nehmen, aber Prozesse wegen der Schulwohnung würden jahrelang geführt.

      Er fährt dann fort:
      „… und wissen, daß ich armuths halber kein einiges Memoriale (Schrift) gegen sie über geben kann, und als ein Schaafe unter ihnen wohnen muß, daß es dem lieben Gott erbarmen möchte …“.

Brinckmann, der sich als armer Schulmeister bezeichnet, bittet den König, ihm zu seinem Recht zu verhelfen.

Die Streitigkeiten zogen sich über Jahre hin. Um 1755 lief in Minden ein Prozeß der Regierung gegen die Bauerschaft Aschen wegen des Schulhauses. Die Beklagten bestellten für sich, ihre Erben und Nachkommen den „Advocatum ordinarium von der Beck Seniorem“ zu ihrem Bevollmächtigten. Sie verpflichteten sich, die Gerichtskosten pünktlich zu zahlen und den Anwalt ohne Ausnahme überall schadlos zu halten bei Verpfändung ihres jetzigen und künftigen Eigentums (s. Abdruck).

Friedrich der Große, der wie seine Vorgänger kein Freund der Westfalen war, erließ am 9.4.1749 diese Kabinettsorder:  65

„Ich will weder hier, noch in Preußen, noch in Pommern und Magdeburg mehr Advocaten wissen. Denen Clevern und Westfälingern aber, die vor Gott und der Vernunft entfernt und zum Zank geboren sind, muß man um ihrer Herzen Hartigkeit willen soviel Advocaten geben, als sie haben wollen, wofür 200 Taler in die Rekrutenkasse verlegt werden müssen“.

Quelle:
Spenge, Bilder und Geschichten aus sechs Jahrhunderten.”
Autor: August Wehrenbrecht

 

 

Ausweislich der noch vorhandenen Akten der Amtsverwaltung Spenge genügte die Schule in Klein-Aschen 1819 nicht mehr den Anforderungen. In einer Niederschrift vom 18.4.1819 haben sich die Schulinteressenten mit einem Neubau befaßt. Sie kamen zu dem Ergebnis, daß das Schulhaus erst vor 25 Jahren, also etwa im Jahre 1794 errichtet sei und sich noch in einem solchen Zustande befinde, daß es keines Neubaues bedürfe. Allerdings sei die Schulstube zu klein.
 

Alte-Schule-Klein-AschenaAlte Schule in Klein-Aschen
Quelle: Festschrift zur 800-Jahr-Feier

 

Aus den vorhandenen Bauakten geht noch hervor, dass im Jahre 1841 die Witwe des Eisenhändlers G. Hempelmann in Herford den Vorstand der Schule Klein-Aschen wegen Bezahlung der von ihrem verstorbenen Ehemann am 14.11.1833 gelieferten 50,5 m gegossenen Rohre für 2 Taler, 29 Silbergroschen und 2 Pfennig verklagen mußte. Der Prozeß fand vor dem damaligen Königlich Preußischen Land- und Stadtgericht in Bünde statt und endete mit einem Vergleich.

Im Jahre 1843 wies der damalige Lehrer Dustmann den in Spenge amtierenden Amtmann von Kettler darauf hin, daß das Strohdach der Schule durchlässig sei und erneuert werden müsse. Nachdem Schulvorstand und Gemeinderat die Durchführung der Arbeiten für erforderlich hielten, mußten die Einwohner im Verhältnis zur Höhe ihrer Grundsteuern die hierfür erforderlichen 800 Stück Dachschöpfe liefern. Die Arbeiten führte der Dachdecker Hermann Heinrich Schlömann in Klein-Aschen aus und kosteten 7 Taler, 18 Groschen.

Diese Instandsetzung erwies sich jedoch nicht als dauerhaft, denn schon im Jahre 1848 wies Lehrer Dustmann in mehreren Eingaben darauf hin, dass das Schulhaus baufällig sei und erneuert werden müsse. Auch Schulvorstand und Gemeinderat sahen dies ein und beschlossen im Jahre 1848, auf demselben Grundstück nebenan eine neue Schule zu errichten. Die Ausführung des Neubaues erstreckte sich auf die Jahre 1851 bis 1853. Nach den Unterlagen hat der Bau seinerzeit 1217 Taler, 3 Silbergroschen und 2 Pfennig gekostet. Auch diese Baukosten wurden auf die Einwohner der Gemeinde im Verhältnis zu ihrer Steuerkraft umgelegt und mußten in 3 Jahresraten gezahlt werden.

Es wurde zunächst nur das Schulhaus mit 2 Schulzimmern gebaut. Die Lehrerdienstwohnung und die Wirtschaftsgebäude wurden erst im Jahre 1855 angebaut. In diesem Jahre wurde auch die alte Schule abgebrochen und die noch brauchbaren Baustoffe für den Bau der Lehrerdienstwohnung und der Wirtschaftsgebäude verwandt. Der Anbau der Lehrerdienstwohnung und der Wirtschaftsgebäude hat nach den Unterlagen 98 Taler, 9 Silbergroschen und 9 Pfennig gekostet. Dies ist das Schulgebäude Klein-Aschen, das noch heute steht und im Jahre 1938 zum Preise von 16.000.- RM an den Invaliden Heinrich Haubrock verkauft ist. Haubrock hat ein Klassenzimmer als Wohnung ausgebaut, während das andere Klassenzimmer an die Firma Faßmann & Co. vermietet ist, die dort eine Wollweberei betreibt.

 

 

Neue Schule in Hücker-Aschen

 

Neue-Schule-in-Hücker-AschenNeue Schule in Hücker-Aschen
Quelle: Festschrift zur 800-Jahr-Feier

 

Die Schule in Hücker-Aschen ist erst in den Jahren 1898/99 gebaut worden. Bis dahin war für Hücker-Aschen nur die eine Schule in Klein-Aschen vorhanden.

 

K640_Zeugnis-Klein-Aschen-01Schulzeugnis von Emma Schröder (der Mutter von Herbert Hagemeyer) aus dem Jahre 1927.
Die Schule hat sie seit dem 01.04.1919 besucht.
Führung: sehr gut  /  Ordnung: sehr gut  /  Aufmerksamkeit und Fleiß: sehr gut
Schulbesuch: regelmäßig
Für die Erlaubnis zur Veröffentlichung danke ich Herrn HERBERT HAGEMEYER.

 

Zeugnis-Klein-Aschen-02aSchulzeugnis von Emma Schröder (der Mutter von Herbert Hagemeyer) aus dem Jahre 1927.
Die Schule hat sie seit dem 01.04.1919 besucht.
Religionsunterricht: sehr gut  /  Deutsch: gut  / Geschichte und Staatbürgerkunde: gut
Erdkunde: gut  /  Naturbeschreibung: gut  /  Raumlehre: genügend  / Zeichnen: gut
Schreiben: gut  /  Nadelarbeit: sehr gut.
Für die Erlaubnis zur Veröffentlichung danke ich Herrn HERBERT HAGEMEYER.

 

 

Das Grundstück für die Schule in Hücker hat die Gemeinde seinerzeit von dem Hofbesitzer Meyer Nr. 1 in Größe von etwa 1 Morgen erworben. Im Jahre 1897 beschloß die Gemeinde, den Bau durchzuführen und zwar nach dem Projekt des Schulhausbaues in Schröttinghausen bei Werther.

Bei der Ausschreibung der Arbeiten am 30.9.1897 bot der Colon Kindermann aus Hücker-Aschen 17960,- RM. Ihm wurde auch die Ausführung der Arbeiten übertragen. Später hat er jedoch sein Angebot an den Colon Oldemeier, die jetzige Firma C. H. Oldemeier, in Spenge abgetreten, der dann den Bau ausgeführt hat. Die Ausführungskosten betrugen 16944,21 RM. Auch diese Schule ist im Jahre 1938 zum Preise von 12000.- RM an den Bauern Robert Meyer in Hücker Nr. 1 verkauft worden. Im Jahre 1938 erwarb die Gemeinde von dem Bauern Gottfried Riepe ein Grundstück in Größe von 6044 qm zum Preise von 1,20 RM je qm und errichtete dort die jetzt vorhandene Schule. Sie hat 86627,18 RM gekostet. Mit diesem Bau dürften für die nächsten Jahrzehnte die Schulraumverhältnisse für Hücker-Aschen befriedigt sein. Die Schülerzahl beträgt z. Zt. 197, als Lehrer sind Hauptlehrer Manns und die Lehrer Degener, Garbers und Wortmann tätig.

 

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04. März 1983
Eltern aus Hücker-Aschen sammelten Unterschriften für die „Schule vor Ort“
Zehn Ratsmitglieder unterzeichneten Erklärung

Jetzt wollen es die Eltern in Hücker-Aschen wissen. Eine Abordnung der Interessengemeinschaft Hücker-Aschen – „Schule vor Ort“ besuchte am Mittwoch Spenger Ratsmitglieder, um sie persönlich nach ihrer Meinung zum Schicksal der Grundschule in Hücker-Aschen zu befragen. Von den insgesamt 33 gewählten Volksvertretern erreichte man in einem ersten Durchgang allerdings nur 17.

Zehn Ratsmitglieder standen den Zielen der Interessengemeinschaft positiv gegenüber und bejahten per Unterschrift folgende Frage:
„Setzen Sie sich persönlich für unsere Interessen und die unserer Kinder (in diesem konkreten Fall die „Schule vor Ort“) mit Nachdruck ein, suchen ehrlich nach Möglichkeiten und lassen keine Chance aus, die Schule über die Durststrecke von nur zwei bis drei Jahren zu bringen und damit weiterhin hier in Hücker-Aschen zu erhalten?“

In der Redaktion des Engerschen Anzeigers/Spenger Nachrichten legten Vertreter der Interessengemeinschaft dann gestern eine Liste mit Originalunterschriften folgender Ratsmitglieder vor: Horst Fischer-Riepe (UWG), Klaus Hildebrand (SPD), Erwin Werries (CDU), Alfred Enseleit (SPD), Brigitte Kötter (UWG), Gustav Wilke (UWG), Gerhard Haversiek (UWG), Gerd Meyer zu Düttingdorf (UWG), Klaus-Dieter Brandtmann (CDU).

Einen „Korb“ bekamen die Unterschriftensammler, so berichteten sie gestern, bei den Ratsmitgliedern Grintz (UWG), Reinhold Hildebrand (SPD), Vollmer (SPD), Frau Wittland (SPD), Frau Dr. Lübke (UWG), Bürgermeister Karl Obermann (UWG) und Artur Redeker (CDU). Die Vertreter der Interessengemeinschaft zitieren in einer Vorlage für den Engerschen Anzeiger Gründe für die ablehnende Haltung der genannten Kommunalpolitiker. In einer Reihe von Äußerungen wird das Bemühen um die Erhaltung der Grundschule zugesichert, allerdings gelte es auch andere Belange zu berücksichtigen.

 

 

30. August 1983

Rechtsform der Schule ist Eltern in Hücker gleich

Auf den Leserbrief von Wilhelm Mester, der beklagte, dass im Spenger Grundschulstreit insbesondere die SPD von den betroffenen Eltern angegriffen werde, reagierte jetzt der Förderverein „Schule von Ort“ Hücker-Aschen. Dessen Vorsitzender Hermann Dieckmann schreibt:
„Die Bewegung „Schule vor Ort“ in Hücker-Aschen verfolgt keine parteipolitischen oder wahltaktischen Ziele. Wir sind auch nicht eine Handvoll renitenter, aufbegehrender oder widerspenstiger Elemente, und schon gar keine fremdgesteuerte fünfte Kolonne, die irgendwelchen Interessen anderer Art dient! Die Sache ist viel einfacher: Hier in Hücker-Aschen tritt die große Mehrheit der Bürgerschaft (88,8 % der wahlberechtigten Einwohner) mit rechtsstaatlichen Mitteln für den Verbleib der Schule im Ort ein.

Um Herr Mester und vielleicht auch anderen interessierten Zeitungslesern die Zusammenhänge im Endscheidungsprozess einmal aufzuzeigen, ist ein Exkurs in die Vorgeschichte der jetzigen Situation nötig: Vorausgeschickt sei: Die SPD hat bei der letzten Kommunal-Wahl 1978 beide Hückeraner Wahlkreise direkt gewinne können. Noch bei der Bundestagswahl 1983 hat die SPD mit 0,36 % in Hücker-Aschen die geringsten Verluste in der Stadt Spenge hinnehmen müssen und immerhin noch Ergebnisse um 50 % erzielt.

Über die Neuordnung des Grundschulwesens wird die Bürgerschaft erstmals in einer vom SPD-Ortsverein verantalteten Bürgerversammlung am 14. Dezember 1982 informiert. Vertreter aller Spenger Rathausparteien sind anwesend. Die FDP erklärt sich eindeutig für die Schließung des Schulgebäudes Hücker-Aschen, die UWG spricht sich für die Beibehaltung der jetzigen Situation aus und die SPD und CDU befinden sich noch im „Meinungsbildungsprozeß““, wollen aber die Sorgen und Bedenken der Eltern mit in ihre Fraktionen nehmen. Der SPD Ortsverein Hücker-Aschen hatte sich bereits am 31. Oktober 1982 für den Erhalt der Schule ausgesprochen.

In der Ratssitzung vom 10. Februar 1983 findet der Antrag der UWG-Fraktion „Schluss der Debatte“, d.h. Beibehaltung des Status quo, keine Mehrheit. Die CDU und die SPD wollen sich vor der Bundestagswahl am 06. März 1983 nicht festlegen.

In der Schulausschusssitzung am 19.April 1983 lässt die CDU die Katze aus dem Sack und ist für die Schließung des Gebäudes in Hücker-Aschen, während die SPD aufgrund der „ernsthaften Bedenken und großen Sorgen der Hückeraner Eltern“ (Sprecher Wiegelmann) für die Gründung einer eigenständigen Schule in Hücker-Aschen ist. Dieser Antrag findet im Schulabschluss und später auch im Hauptausschuss die Unterstützung der UWG und damit eine Mehrheit. Die Schule in Hücker-Aschen scheint gerettet.

Dann stattet im Mai der Regierungspräsident der Stadt Spenge einen Besuch ab. Obwohl noch kein Ratsbeschluss vorliegt, äußert er sich zur Schulfrage: - Man müsse die Angelegenheit wie ein rohes Ein behandeln, steht in der Zeitung. Den Ratsherren muss er wohl etwas anderes gesagt haben, es kommen jedenfalls zu einer außerordentlichen Hauptausschusssitzung, in der der zuvor gefasste Beschluss mit den Stimmen der SPD wieder aufgehoben wird. In der Ratssitzung vom 07. Juni 1983 wird mit den Stimmen der SPD gegen die Schule Hücker-Aschen entschieden. Abstimmungsergebnis 20:12.

Begründung: Die Hückeraner Eltern wollten keine eigenständige, kleine Schule. Dabei hatten sich in Hücker-Aschen von 119 befragten Eltern 116 für eine kleine, eigenständige Schuld mit eventuell jahrgangsübergreifenden Klassen ausgesprochen.

Tatsache ist: Uns in Hücker-Aschen ist es gleichgültig, in welche Rechtsform die Schule gekleidet ist, ob eigenständig oder im Schulverbund mit Spenge-Mitte, Hauptsache die Schule bleibt im Dorf! Dass die SPD wegen dieser Schaukelpolitik jetzt den schwarzen Peter hat, dürfte auch Herrn Mester einleuchten. Denn wenn es seinen Spenger Parteifreunden wirklich um den Erhalt der Schule und vor um die ernsthaften Bedenken der Eltern gegangen wäre, hätten sie für die andere Lösung stimmen können“.

Hermann Dieckmann
Förderverein „Schule vor Ort“
Hücker-Aschen

 

 

09. Juni 1983

Schulleiter Wolfgang Huwe:

„Vorteile überwiegen für Kinder aus Hücker-Aschen“

Alte Klassenverbände sollen erhalten bleiben

Spenge (jös)
„Letztendlich bringt der Beschluß des Stadtrates, die Grundschüler aus Hücker-Aschen künftig die Schule Spenge-Mitte besuchen zu lassen, eine Qualitätsverbesserung für die Kinder aus Hücker-Aschen. In bin der festen Überzeugung, daß die Vorteile die Nachteile ganz klar überwiegen“.

Keine Probleme bei der Eingliederung der Kinder aus Hücker-Aschen sieht Wolfgang Huwe, Schulleiter der noch bestehenden Grundschule Spenge-Hücker-Aschen, kommen.

Wie der Schulleiter auf Anfrage des Engerschen Anzeigers unterstrich, werden die Kinder aus Hücker-Aschen auch im kommenden Schuljahr in der Schule Spenge-Mitte in ihren alten Klassenverbänden verbleiben und auch den selben Klassenlehrer behalten.

      Wolfgang Huwe:
      „Dies ist selbstverständlich. Die Kinder werden aber den Vorteil haben, künftig in Fächern wie Musik oder Kunst von qualifizierten Fachlehrern unterrechtet zu werden. Auch wird die bessere Ausstattung des Schulgebäudes Spenge-Mitte den Kindern gerade in diesen Fächern zugute kommen.“

Zwar müßten die Kinder aus Hücker-Aschen jetzt täglich die Busfahrt nach Spenge in Kauf nehmen, doch habe die Gemeinde zugesichert, für die Grundschüler einen eigenen Bus zu stellen, der mehrmals täglich fährt, so daß für die Kinder keine Wartezeiten entstünden.

      Wolfgang Huwe:
      „Die Kinder brauchen also nicht im selben Bus mit älteren Schülern fahren. Zudem kommen zwei unserer Lehrerinnen aus Hücker-Aschen, die auch mit diesem Schulbus fahren und so für eine bessere Beaufsichtigung der Kinder sorgen könnten“.

 

 

30. August 1983
„Bei UWG und CDU gibt es viele Abhängigkeiten

In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Spenge und als Sprecher der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Spenge schildert Uwe Grintz in der folgenden Leserzuschrift seine Eindrücke über die letzte Ratssitzung:

„Das Verwaltungsgericht Minden hat es aktenkundig gemacht: in Spenge nahm man es mit dem § 23 der Gemeindeordnung nicht so genau und ließ Ratsmitglieder mitdiskutieren und bestimmen, die von Rechts wegen ihre Befangenheit hätten erklären müssen. Dass dies einem stellvertretenden Bürgermeister passiert, ist besonders bedenklich.

Die SPD hat in der Vergangenheit oft genug auf die Verquickung von Geschäft und Politik hingewiesen. Ratsmitglieder, die auch oder gar überwiegend von öffentlichen Aufträgen leben, sollten deshalb besonders sensibel reagieren und das Problem nicht verharmlosen. Es nicht nur um ein paar Gardinen oder eine Heizung, es geht am Ende um die Unabhängigkeit der Entscheidungsträger. Wenn die politische Moral verloren geht, kann auch die Gemeindeordnung die Unabhängigkeit nicht gewähren.

Abhängigkeiten jedoch gibt es viele im Koalitionslager von UWG und CDU. Manches Ratsmitglied hat es erfahren, viele Geschäftsleute wissen es und etliche kommen bei der Jagd nach Aufträgen immer zu spät – warum wohl und wie lange noch?

Was der unbestreitbar mutige L. Seippel schon vor Jahren erkannte, als er aus der UWG austrat, dämmerte in der letzten Ratssitzung auch der UWG-Ratsherrin Dr. U. Lübke: ihre Gruppe fördert eine bedenkliche Form von Basisdemokratie. Ihre Führer reden einer kleinen, aber lautstarken Gruppe das Wort, vergessen dabei ihr „dummes Geschwätz von gestern“ (Adenauer) und handeln gegen die Gesetze von Vernunft und Recht.

Wie kommt das? Niemand kann es allen recht machen. Wo das aber versucht wird, setzen sich die Lautstarken oder die Taktierer durch. So war es immer, wenn alles Volk bestimmen sollte und so ist es auch in der UWG.

Das hat zur Folge und wird augenblicklich in Spenge sichtbar, dass diese Gruppe aus der Opposition (dem Unwillen der Bürger) lebt. Die Spaltung der UWG in das Lager einer fehlenden Vernunft um Bürgermeister Obermann und ein Lager der wahltaktischen Schreihälse einer querköpfigen Opposition gegen den eigenen Bürgermeister und alle anderen liegt auf der Hand.

Die CDU-Ratsfraktion in Spenge hat einen Vorsitzenden, der anders redet, als er handelt. Alle Äußerungen dieses Herrn zielten darauf hin, einmal gefasste Mehrheitsbeschlüsse zu stützen. Nicht zuletzt deshalb hat er auch den sog. Dringlichkeitsbeschluss in der Grundschulfrage mit unterzeichnet. In der Abstimmung lehnte nur K. D. Brandtmann den Kompromissbeschluss ab.

Die SPD-Fraktion lehnt in Zukunft interfraktionelle Gespräche ab und wird keinerlei Absprachen mehr mit Herrn Brandtmann als CDU-Vorsitzendem treffen.

Uwe Grintz
Vorsitzender der SPD-Fraktion Spenge
Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Spenge.

 

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