Ölvorkommen…

Wird Hücker-Aschen der Nabel der Welt?

Wir schreiben das Jahr 1959.
Ein Jahr, in dem Hücker-Aschen beinahe plötzlich reich geworden wäre...

Ein Zeitungsartikel vom 20. August 1959 trägt die Überschrift:
„Erdölbohrtrupp arbeitet an der Kreisgrenze“.

Der Artikel handelt davon, dass bei Klein-Aschen ein Bohrturm errichtet und dass ein Erdölbohrtrupp der Fa. Wintershall-AG begonnen habe, nach Erdöl zu bohren.

„Schon im vergangenen Jahr hatten um Klein-Aschen herum die Vorarbeiten für dieses Projekt begonnen“, heißt es in dem Artikel.

„Damals wurden geophysikalische Messungen durchgeführt, bei denen durch Echolot die Gesteinsschichten im Inneren der Erde festgestellt wurden. Die Messungen riefen bei den Bauern der Umgebung wegen der damit verbunden Sprengungen großen Unwillen hervor. Doch heute ist man froh darüber, denn die Physiker haben im Erdinneren – die Tiefe durfte uns der leitende Bohrmeister nicht verraten – die für ein Erdöl- oder Erdgasvorkommen nötigen Zechsteinschichten entdeckt“.

Der Bohrmeister informierte die Presse darüber, dass er mit 10 bis 13 Bohrungen rechne; der hohe Bohrturm werde im Verlaufe der Probebohrungen auch auf das Gebiet des Kreises Herford – also nach Hücker-Aschen – wechseln.

Auf die Frage des Journalisten, ob denn der Bauer, dem der Acker gehöre, bei einer etwaigen Fündigkeit an dem Fördererlös beteiligt würde, sagte der Bohrleiter:
„Das Land gehört dem Bauern nur bis in eine Tiefe von 1,50 m. Was darunter liegt, gehört bis zum Erdmittelpunkt dem „Vater Staat“. Die Bohrgesellschaft pachtet vom Besitzer nur die Erdoberfläche; dies allerdings zu einem angemessenen Preis“.

Abschließende Bemerkung des Journalisten:
„Hoffen wir …, dass die Bohrstellen bald fündig werden und dass so die Wirtschaft des Kreises durch einen neuen Faktor belebt wird“.

Am 25. September 1959, also gut einen Monat später, informierte das Bünder Tageblatt:
„Auf dem „Ölberg“ in Groß Aschen ist man inzwischen auf einer Bohrtiefe von über 700 Metern angekommen. Spuren von Öl sind, wie wir erfuhren, aber noch nicht gesichtet worden. Man beabsichtigt, bis auf über 1000 Meter ins Erdreich vorzustoßen. Sobald die Bohrungen an dieser Stelle Erfolg haben, soll eine im Bohrturm angebrachte Sirene heulen. Die Spenger und Aschener Bürger werden über das erwartete große Ereignis also rechtzeitig informiert werden“.

Im November 1959, also noch einmal zwei Monate später, vermeldete die Zeitung:
„Die Ölbohrstelle Groß-Aschen wird wahrscheinlich schon in den nächsten Tagen abgebaut werden“.

Man hatte inzwischen eine Tiefe von 1.134 Metern erreicht. Das Gestein war jetzt aber so hart, dass täglich nur etwas ein halber Meter geschafft werden konnte.

Die Fachleute waren der Ansicht, dass, wenn Erdöl vorhanden wäre, man zumindest schon auf Erdgas hätte stoßen müssen.

Der Journalist hatte ermittelt, dass sich die Kosten für die Probebohrungen wohl auf etwa 750.000 DM summierten.

„Es scheint, als sei diese ungeheure Summe „für die Katz“ verpulvert worden“, schloss er seinen Bericht.

Damit war der Traum vom „ostwestfälischen Dallas“ ausgeträumt.

Wenige Wochen später sprach bereits niemand mehr vom möglichen Ölreichtum am Hücker Moor.

Fazit: Was hätte aus Hücker-Aschen werden können?...

Dr. NORBERT SAHRHAGE

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