Die Ev.-luth. Kirchengemeinde in Hücker-Aschen

 Die Tore stehen offen
 

Zur Kirchengeschichte

Die ältesten Nachrichten, die wir über Hücker und Aschen besitzen, beziehen sich zumeist auf kirchliche Verhältnisse und auf den alten Kirchspielverband mit Spenge. Schon in einer Urkunde von 126720) erhält Hücker den Zusatz „sita in parrochia Spenge21), und in den ebenfalls schon angezogenen Urkunden von 1364, 1374, 1442 heißt es sowohl von Westeraschen als auch von Osteraschen ausdrücklich, daß sie zum Kirchspiel Spenge gehörten22). Wenn man Kirche zu Spenge als eine Eigenkirche der Edelherren von Spenge anspricht, wie es Prinz (S. 202) mit Rücksicht auf das Patronat, der von Ravensberg wohl mit Recht tut, wird man die Gründung des Kirchspiels Spenge nicht vor das Jahr 1000 ansetzen dürfen. Sie gilt als Tochterkirche der Kirche zu Bünde, als deren Mutter die alte Gaukirche des Graingaues in Melle anzusehen ist 23).

Schutzheiliger der Spenger Kirche war im Mittelalter der Heilige Martin. Er war ein rechter Volksheiliger, der Schutzherr des Viehes und der Hirten, der Kaufleute sowohl als auch der Dienstleute. Nach seinem Todestage - er starb am 11. November 400 als Bischof von Tours - wurden gern Termingeschäfte und Dienstverträge abgeschlossen. Seine Verehrung ist durch fränkische Mönche nach Norddeutschland gebracht worden 24).

Das „Kirchspiel hat immer zur Diözese des Bischofs von Osnabrück gehört. Das Kirchensystem des frühen Mittelalters wird man sich also in unserer Gegend so vorstellen dürfen, daß die Ortschaften um Bünde, Enger, Spenge und Rödinghausen eine von der Gaukirche in Melle aus gegründete Urpfarrei gebildet haben mit der Taufkirche in Bünde. Eine, allerdings im 11. Jahrhundert verfälschte, Urkunde Ludwigs des Deutschen für Herford spricht auch von der ecclesia Buginithi cum subiectis sibi ecclesiis26). Unter den „zu Bünde gehörigen“ Kirchen kommen für die frühesten Zeiten schwerlich andere als Enger, Spenge und Rödinghausen in Frage27). Auf die alten Archidiakonatsverhältnisse einzugehen, verbietet hier der Raum, zumal diese Dinge erschöpfend behandelt sind 28).

Von der Kirche zu Spenge aus sind sowohl in Groß-Aschen als auch in Klein-Aschen Filialkapellen eingerichtet worden. Über die „Kapelle zu Klein-Aschen“ liegt aus vorreformatorischer Zeit noch keine Nachricht vor. Dagegen ist die kleine Kapelle von „Groß-Aschen“, die man nach der Stifterinschrift über dem Portal bislang auf das Jahr 1697 zurückführte, weit mehr als 200 Jahre früher bezeugt. Am 10. Juni 1443 teilt nämlich Herzog Gerhard von Jülich-Berg, Graf von Ravensberg, dem Probst zu St. Johann in Osnabrück, Johann von Varendorp, und Bürgermeister und Rat der Stadt Osnabrück mit, daß der Pfarrer zu Spenge, Heinrich Hemelrich, bittet, die von den Osnabrückern zerstörte Kapelle zu Aschen wieder aufzubauen.

Die Osnabrücker hätten dem Pfarrer damals versprochen, das Kirchengut von Spenge in ihrer Fehde aus Freundschaft für den Herzog zu schonen, ihr Versprechen aber nicht gehalten, sondern die genannte Kapelle, die zum Kirchspiel Spenge gehörte, mit sämtlichen Kleinoden, Büchern, Meßgewändern usw. niedergebrannt. Der Herzog ersucht um Wiedergutmachung des Schadens, da die Kirche zu Spenge aus seinem väterlichen Erbe stamme und von seinen Vorfahren dem Marienstift zu Bielefeld inkorporiert worden sei29). Ob der Wiederaufbau damals durchgeführt ist, wissen wir allerdings nicht. Anscheinend ist es nicht dazu gekommen; denn während der Pfarrer Himmelreich von „seiner“ Kirche spricht und von dem Schaden, den er (bzw. die Gemeinde Spenge) erlitten habe, bezeugt die Inschrift von 1697, auf der die Namen aller Bauern von Groß-Aschen erscheinen, daß es sich bei dieser Kapelle um eine reine Gemeindegründung gehandelt hat. Auch heute ist die Kapelle Eigentum der Groß-Aschener.

Der Pfarrer Heinrich Himmelreich, den wir hier als ersten geistlichen Hirten im Kirchspiel Spenge kennenlernen, muß ein über Spenge hinaus bekannter Mann mit einem weiten und vielseitigen Wirkungskreise gewesen sein. Die von ihm erhaltenen Nachrichten30) berichten, daß er sich auch als Notar betätigte und später als Scholaster und Kanoniker in das Martinstift zu Bielefeld eintrat.

 

20) OM V S. 128.

21) „gelegen im Kirchspiel Spenge“

22) Eine kurze, inhaltlich unbedeutende Privaturkunde vom Jahre 1419 (St. A. Osnabrück, Fürstentum  und Domkapitel, (Rep. 3 Vol. II, Nr. 576) spricht von Aschen im Kirchspiel Hoyel. Das dürfte auf  einen Irrtum des Ausstellers zurückzuführen sein, zumal es sich um Groß-Aschen (Feldmanns Hof)  handelt.

23) Vgl Prinz, S 184. 195.

24) Kampschulte, Die westfälischen Kirchen-Patrocinien (1867), S. 56 ff.; Handbuch des Aberglaubens  Bd. 5, Spalte 1708 ff.

25) BUB 101 vom Jahre 1310: ecclesiam in Spenghe nostre (i. e. episcopi Osnabrugensis) dyocesis.

26) Prinz, S. 63. 64, 184. 195.

27) Prinz, a. a. 0.

28) Vgl. Philippi, Die Archidiakonate der Osnabrücker Diözese im Mittelalter. In: OM 16 (1891), S. 236;  Prinz, S. 65, 67.

29 St. A. Düsseldorf, Jülich-Berg, Altes Landesarchiv I, Nr. 765.

30) BUB S. 894 (Register).

 

DIE ENTWICKLUNG DER EVANGELISCHEN KIRCHENGEMEINDE

Hücker   /   Klein-Aschen   /   Groß-Aschen

 

Von HERMANN BÖHLKE

K640_img494aPastor Hermann Böhlke

 

Diese Gemeinde, die sich über drei geschlossene Dörfer erstreckt, hat eine nicht ganz durchsichtige Entwicklung bis zur heutigen Lage durchgemacht. Aus den Untersuchungen Dr. Engels geht soviel deutlich hervor, dass die drei Dörfer schon in einer Zeit zusammengehörten, die durch Urkunden kaum belegt ist. Erst durch die mancherlei landesherrlichen Auseinandersetzungen zwischen dem Bischof zu Osnabrück, den Edelherren zu Lippe und den Grafen zu Ravensburg ist es dann zu dem merkwürdigen Tatbestand gekommen, dass die beiden Aschen durch die Warmenau unter zwei verschiedene Oberhoheiten geteilt wurden, so dass Groß-Aschen heute zu Niedersachsen (Hannover) in den Kreis Melle, Hücker-Aschen aber zu Westfalen in den Kreis Herford gehört. Und doch sind alle drei Dörfer seit 1947 zu einem Pfarrbezirk der Muttergemeinde Spenge vereinigt.

Die ersten Zeugnisse über den Beginn eines kirchlichen Lebens in unseren Dörfern sind sehr spärlich. Aus allgemeinen Urkunden ergibt es sich deutlich, dass sie immer zum Kirchspiel Spenge gehört haben. Spenge ist wiederum von Bünde eine Tochtergemeinde und Bünde eine Tochtergemeinde von Melle gewesen, also abhängig von Osnabrück. Mit der Christianisierung der Sachsen wurde eine straffe kirchliche Organisation durchgeführt und dafür die Bistümer Paderborn, Münster, Minden und Osnabrück eingerichtet. Die Spenger Pfarrei unterstand also dem Bischof zu Osnabrück. Die ältesten Bestandteile am Spenger Kirchengebäude, das mehrfach umgebaut und erneuert wurde, weisen auf ein hohes Alter der Kirche hin. Außer dem Pfarramt gab es in Spenge noch das Amt eines Vikars, das vom Rittergut Mühlenburg 1450 gestiftet und erst 1892 in eine 2. selbständige Pfarrstelle verwandelt wurde.

Die Reformation muß in Spenge und Umgebung schnell Fuß gefasst haben, wie schon aus einem Protokoll von 1533 hervorgeht. Der erste evangelische Prediger war hier Jacob Varenholz bis 1576, es folgten Hermann Varenholz bis 1623, Johann Siveking bis 1654, Johann Wilhelm Kaufmann bis 1690, Peter Michaelis bis 1705, Johann Philipp Hambach bis 1723, M. Th. Christoph Fuhrmann bis 1741.

Von diesem Pastor Fuhrmann stammt die älteste Urkunde, die wir über die evangelische Gemeinde Spenge besitzen. Es ist eine Kirchen-Matrikel, ein Lagerbuch, in dem über die Prediger, Lehrer, Küster, ihre Tätigkeit, über die kirchlichen Gebäude und Einrichtungen, über Ländereien und Einkünfte genauestens Buch geführt werden musste. Das Lagerbuch wurde schon damals doppelt geführt, ein Exemplar beim Konsistorium, ein Exemplar im Schrank in der Sakristei verwahrt. Auf diese Weise ist es uns erhalten geblieben, während alle anderen Urkunden der Gemeinde samt den Kirchenbüchern am 10. Oktober 1765 mit dem Spenger Pfarrhaus verbrannten.

Neben mancherlei sehr interessanten Einzelheiten über das damalige kirchliche Leben erfahren wir vor allem hier, daß schon 1733 nicht nur in Groß-Aschen, sondern auch in Klein-Aschen eine Kapelle und ein geordneter Kapellendienst althergebracht waren. Es heißt dort in Fuhrmanns Bericht: „Es gehören zu unserer Kirche zwei Kapellen, davon eine zu Klein-Aschen steht, die andere zu großen Aschen sich befindet. Sie werden beiderseits von ihren Bauerschaften unterhalten. In der ersten hält der Prediger jährlich ein paar mal Besuchung und Examen. In der Zweiten wird alle Jahr dreimal, nämlich gegen die Weihnachts-, Oster- und Erntezeit, besonderer Gottesdienst gehalten und nach einer vom Altar geschehenen Rede die communion (Abendmahl) verrichtet. Da denn ihrer 15 Eingesessene, welche es unter sich umgehen lassen, dem Prediger, dem Küster und dem Schulmeister ihrer Bauerschaft, wenn die Handlungen in der Kapelle geendigt sind, eine Mahlzeit geben. Sonst müssen die Schulmeister an den Sonntagen des Nachmittags, an den Festtagen früh und nachmittags, auch alle Freitage des Nachmittags, Winter und Sommer, in diesen Kapellen Katechismuslehre verrichten und aus einem erbaulichen Buche der Versammlung etwas vorlesen.

Für diesen Dienst erhielten die Lehrer in der Ernte eine hergebrachte Roggensammlung, und zwar von jedem größeren Bauern 1 Stiege, von jedem kleineren 1/2 Stiege. Außerdem wurde für sie an den hohen Festen in den Kapellen ein Geldopfer gesammelt. Als weitere Aufgabe fiel es ihnen zu, bei den Beerdigungen mitzuwirken. Sie mussten die Leichen aus Hücker-Aschen und Groß-Aschen dem Spenger Lehrer „zubringen“ und dabei „besingen“, wofür sie von den Leidtragenden eine Geldzahlung erhielten. Ebenso bekamen sie für das „Verläuten“ einer Leiche und für das täglich dreimalige „Kleppen“ (Gebetsglockenläuten) eine bestimmte Summe.

So war in unseren Dörfern schon ein geregeltes kirchliches Leben seit Jahrhunderten in einer gewissen Selbständigkeit und doch in völliger Einordnung gegenüber Spenge. Im übrigen haben die Bauern von Hücker-Aschen und Groß-Aschen ebenso wie die von Spenge und Lenzinghausen für den Pfarrer bestimmte Spann- und Handdienste zu leisten gehabt, die allerdings in Groß-Aschen schon frühzeitig durch eine Geldzahlung abgelöst wurden.

Die in Groß-Aschen stehende Kapelle hat an der Eingangstür folgende, stark verwitterte Inschrift: „v. Hoedinghausen, Erbherr zu Bruchmühlen, Oberholzgrafen und Herman Feltman, Liegre Bringer, Johan Ebeler, Mahlmaner, Jobst Meyer, Michel Rohde, Henrich Mencke, Liegre Wichman, Wilm Potthof, Johan Helman, Henrich Egerman, Jobst Henrich Riepe, Herman Käter, Henrich Wilm Althof, Henrich Welling, Albert Linenbrinck, haben diese Chapelle im Jahre 1697 erbauet. Nach der von Dr. Engel gefundenen Urkunde ist dies aber kein Neubau, sondern ein Wiederaufbau gewesen, da schon 1443 die Zerstörung einer Kapelle in Groß-Aschen bezeugt ist, die zur Gemeinde Spenge gehörte und mit sämtlichen Kleinoden, Büchern und Messgewändern von den Osnabrückern niedergebrannt worden war.

So ist mindestens von der Groß-Aschener Kapelle festzustellen, daß sie schon in vorreformatorische Zeit zurückreicht. Die Angabe alter Leute des Dorfes, daß vor dem Bau der Kapelle eine Glocke in einer Baumgabelung aufgehängt und täglich zum Beten geläutet worden sei, kann sich höchstens auf die Zeit zwischen der Zerstörung und der Wiedererrichtung 1443-1697 beziehen, aber nicht auf den eigentlichen Ursprung der Kapelle.

Rätselhaft ist die Herkunft des großen Altarbildes in der kleinen Kapelle. Es enthält in kleinen Einzelbildern die ganze Leidensgeschichte mit dem Bild der Kreuzigung in der Mitte. Jede Figur ist aus einem "Stück“ geschnitzt und aus seiner Nische herausnehmbar. Ursprünglich gehörten zu dem Altaraufsatz auch noch zwei Flügel, wie man an den leeren Angeln sieht. Es wird für eine gute Handwerksarbeit des Mittelalters gehalten. Leider fehlt jede Bezeichnung des Entstehungsjahres, des Künstlers und des Herstellungsortes. Jedenfalls wird „es“ für eine größere Kirche geschaffen und wahrscheinlich auch dort zunächst aufgestellt gewesen sein.

Ebenso rätselhaft ist es, wann die ursprüngliche Kapelle in Klein-Aschen errichtet und ein geordneter Kapellendienst eingeführt worden ist. Die an der heutigen Kirche geschriebene Jahreszahl weist nicht weiter zurück als auf das Jahr 1863. Im gegenwärtigen Lagerbuch der Spenger Kirchengemeinde bezeugte Pastor Berghauer um 1880: In den Bauerschaften Groß-Aschen und Klein-Aschen befinden sich Kapellen, die den Eingesessenen allein gehören und von ihnen unterhalten werden. Es wird in ihnen nur an Wochentagen die Feier des hl. Abendmahles gehalten. In Groß-Aschen zu Epiphanias, Gründonnerstag und um Johannis, in Klein-Aschen in der Fastenzeit und im Herbst. Sonntagsgottesdienste der Geistlichen daselbst sind freiwillig. So ist die alte Tradition ohne Frage jahrhundertelang gepflegt worden.

In diesen Jahrhunderten war freilich in der Welt mancherlei geschehen und die Wogen sind auch über unsere Dörfer mehrfach hinweggespült. Das spiegelt sich in den Aufzeichnungen aus diesen Zeiten, die sich hier und da finden, besonders aus der Zeit der Kriege. So versuchte man, sich während des 30jährigen Krieges durch Wachen in Balgerbrück vor dem Überfall umherstreifender Banden zu schützen. Besatzungen plagten die Bevölkerung. Auch als im folgenden Jahrhundert während des 3. Schlesischen Krieges die Franzosen einrückten, begann wieder eine Zeit voll Plünderungen und Erpressungen durch fremde Truppen. Als im Jahre 1878 die Spenger Orgel völlig umgearbeitet wurde, fand man einen Zettel aus alter Zeit darin, den der vormalige Orgelbauer eingelegt hatte. Diese Handschrift hat folgenden Inhalt:

Im Jahre 1761 ist diese Orgel verfertiget, in der betrübten Zeit, das dass Scheffel Rocken 2 rht 6 mgr kostet, ein Pfd. Fleisch 12 mgr. 1 Pfd. Butter 9 mgr. in summa. Es war alles so teuer dass ein Mensch fast nicht mehr leben konnte, und dann noch [waren] die Franzosen alhie zu Osnabrück. Daß selbigen Jahr muß die stadt an den Franzosen 500000 rht brandschatz geben, ohne waß der gleichen mehr sein mußte, und in die häuser lagen 5, 10, 12 man, und mußte ein Jeder Essen und trinken geben und allens waß sie verlangen, wein tabak feiffen Zeug, schue in summa alles mußte ein Jeder hergeben. Ao 1757 nahm der Krieg sein anfang über ganß Deutschlandt und Gott weiß noch wielange Es dauret, den wie ich dieses geschrieben habe, war noch kein friede zu hoffen. Gott gebe, daß kein mensch solches beleebe waß wir beleebet haben. Hie mit befehle ich euch den lieben Gott und verharr alle Zeit.

Osnabrück Ao 1761  O. Berner Orgel[bauer]."

Im Jahre 1807 begann für unsere Heimat die eigentliche Franzosenzeit, in der Napoleons Bruder als König Jérôme in Westfalen regierte. Da gab es in Spenge unter diesem Regiment einen Bürgermeister Seippel, der - im Grunde dem Preußenkönig treu - mit Sorgfalt seinen Bauerschaften vorstand. Doch die Nöte in der Bevölkerung halten noch längere Zeit an. Verbrechen und Diebstähle, Feuersbrünste und dergl. gehen mit schlechtem Kirchenbesuch Hand in Hand. Die Ursache wird hauptsächlich in der Verkommenheit und Armut gesucht. Auf den Heiden und „Gemeinheiten" wurde Siedlungsland freigegeben. Da bauten sich viele kleine Leute an, die auf dem mageren Boden und in ihrem kleinen Besitz keine ausreichende Existenz fanden. So lebten sie weithin vom Bettel und Diebstahl, wozu sie ihre Kinder schon frühzeitig anlernten.

Es nimmt nicht Wunder, daß die Pfarrer zu jener Zeit über schlechtes Eingehen der Abgaben und Pachtzahlungen zu klagen haben. Von der Armut der Zeit gibt eine Notiz des Lagerbuches ein anschauliches Bild. 1817 wird in der Kirche zu Spenge eingebrochen und eine Räuberbande raubt die Abendmahlsgeräte samt allen Altardecken. So hatte man nichts weiter als ein weißes leinenes Tuch und einen zinnernen Kelch und hoffte lange auf Ersatz durch eine Schenkung. Zum Karfreitag, wo eine schwarze Decke Brauch war, wurde eine solche aus der Kapelle in Groß-Aschen geliehen.

Mit der Einführung des häuslichen Spinnens kommt es wieder zu einer besseren Existenz der kleinen Leute, bis sie auch hiervon durch die Maschinen verdrängt werden. In den 40er Jahren beginnt eine beträchtliche Auswanderung nach Amerika und in die Städte des Industriegebietes, bis dann die Zigarrenindustrie wieder sicheren Erwerb und Wohlhabenheit in unsere Dörfer brachte.

Damit beginnt nun auch das kirchliche Leben wieder aufzublühen. Von der eigentlichen Minden-Ravensbergischen Erweckungsbewegung wird in unserer Gegend nicht ausdrücklich berichtet. Dennoch geht auch hier ein neuer Geist durch die Menschen. Ein Zeichen ist dafür z. B. das 1. Missionsfest in Spenge 1855, bei dem die Kirche nicht für alle Platz bot und die Versammlung auf dem Friedhof stattfinden musste. Vielleicht ist auch der damalige Neubau der Klein-Ascher Kapelle 1863 im Zusammenhang mit dieser neuen Bewegung entstanden. In dieser Zeit (1833-1872) wirkte der Enkel des Erweckungspredigers Weihe als Pfarrer in Spenge und hier mit besonderem Segen. Ein kleiner Zug wird von ihm in der Groß-Ascher Schulchronik berichtet. Die üblichen Mahlzeiten nach den drei Abendmahlsgottesdiensten, die aus einem gebratenen Schinken und Kohl bzw. Vietsbohnen bestand, waren im Lauf der Zeit zu einer großen Festlichkeit ausgeartet, an der 60-80 Personen teilzunehmen pflegten.

Pastor Weihe hat diese Mahlzeiten ganz abgeschafft, sie durch 6 Mark abgelöst und diese Summe unter Pfarrer und Küster von Spenge und dem Lehrer des Ortes geteilt. Unter Weihes Nachfolger Berghauer wurde das Martinsstift gegründet und die Erneuerung und Erweiterung der Spenger Kirche durchgeführt. Das Geld dafür wird durch eine Steuerauflage in 11 Jahren aufgebracht. Nur die Gemeindeglieder in Groß-Aschen waren von dieser Sondersteuer befreit. Sie hatten im Jahre 1790 mit Spenge einen Vertrag geschlossen und darin im „Eilen", an der Klein-Ascher Grenze, ein Grundstück an die Kirchengemeinde abgetreten unter der Bedingung, daß sie von allen Lasten durch Bau und Reparatur an kirchlichen Gebäuden frei sein sollten.

Die aus dem verpachteten Grundstück eingehenden Gelder flossen automatisch in den Baukostenfonds in Spenge. Trotzdem für die Groß-Ascher also keine Verpflichtung bestand, bezeugten sie ihre Zugehörigkeit zur Spenger Muttergemeinde, indem sie für die neu hergestellte Kirche einen schönen Kronleuchter stifteten.

Aus dem Jahre 1883 ist aus der Groß-Ascher Schulchronik ein Bericht über das Lutherjubiläum in unserer Gemeinde überliefert.

Am 10. November versammelten sich morgens um 8 Uhr die Schüler in Festkleidern an ihren Schulen und zogen unter Lutherliedern singend nach Spenge, wobei sie unterwegs die Schüler von Klein-Aschen trafen. In der festlich geschmückten Spenger Kirche fand dann ein Schulgottesdienst für die ganze Gemeinde statt. Jedes Kind bekam zum Schluss die Reformationsgeschichte von Redenbacher mit vielen Bildern oder ein schönes Lutherbild. Der Kaiser schenkte dazu ein prachtvolles Lutherbild, das das Andenken dieses schönen und gesegneten Tages noch ganz besonders verherrlichte.

Um 1870 wurden die Reallasten an geistliche Institute durch Geld abgelöst. Dabei ergab sich ein unerfreulicher Vorfall in Klein-Aschen. Einige Höfe waren dem Lehrer schon Jahrzehnte lang die Stiege Roggen für die Lesegottesdienste schuldig geblieben. So verweigerten sie auch nun die Ablösung der schuldigen Roggenlieferung in Geld, ohne ihre Schuld jedoch zu leugnen. Schließlich musste der Lehrer vom Kapellendienst ganz entbunden werden, so dass hier gar kein  Gottesdienst mehr stattfand. 1877 bildeten die Hücker-Ascher aber durch freiwillige Gaben einen neuen Kapellenfonds, dessen Zinsen von 32 Mark für den Lehrer verwendet wurde. Dafür hielt er im Jahre 21 Lesegottesdienste, sodaß die Kapelle doch nicht umsonst stand! Es wurde dann noch ein 2. Lehrer in Aschen angestellt, 1898 die Schule in Hücker eingeweiht und Lehrer Blotenberg in sein Amt eingeführt.

Im Jahre 1904 ergab sich für unsere Gemeinde eine neue Lage, als das Konsistorium den beiden Pfarrern in Spenge einen Hilfsprediger zur Verfügung stellte. Der erste Hilfsprediger Höpker, zu dessen Besoldung die Bewohner von Hücker-Aschen freiwillige Gaben beitrugen, nahm seine Wohnung in der Schule zu Hücker und wurde hier im Januar 1905 ordiniert. Sein Nachfolger, Hilfsprediger Koch, wohnte indessen in Spenge im Kantorhause.

Darüber heißt es im Spenger Lagerbuch: Die Anstellung der Hilfsprediger hatte zur Folge, daß die seit 1900 eingerichteten vormittägigen Kapellengottesdienste in Klein-Aschen, die bisher nur jeden 2. Sonntag abgehalten wurden, an allen Sonn- und Festtagen (ausgenommen die 2. Feiertage) stattfinden konnten. Die Bewohner von Hücker-Aschen erklärten sich bereit, in Anerkennung dieser besonderen Vergünstigung zum Gehalt des Hilfspredigers freiwillige Beiträge in die Kirchenkasse zu zahlen, was sie auch bisher treulich getan haben. Die Gottesdienste werden auch von verschiedenen Mitgliedern der Bauerschaft Groß-Aschen fleißig und gern besucht. Daneben gibt es aber eine Anzahl von Bewohnern Hücker-Aschens, die es vorziehen, trotz des Kapellendienstes regelmäßig nach Spenge zur Kirche zu gehen.

Aus der Anstellung der Hilfsprediger für Hücker-Aschen ergab sich aber überraschenderweise noch ein ganz anderer Gesichtspunkt, der schon in dem vorstehenden Bericht angedeutet ist. Es handelt sich um die Frage, wie Groß-Aschen sich zu der Entwicklung im Schwesterdorf stellen würde. Noch 1817 bezeugte ein Bericht des Pfarrers Seippel von den Groß-Aschern: „Sie halten sich in allen Stücken treu und gewissenhaft zum hiesigen Kirchspiele und wie in französischen Zeiten die Rede davon war, daß sie von dem hiesigen Kirchspiele getrennt und zu Hoyel, welches ihnen etwas näher liegt, geschlagen werden sollten, so gaben sie hierüber laut ihr Missfallen zu erkennen und wünschten, da zu bleiben, wohin sie seit Jahrhunderten gehört hatten."

Im Jahre 1852 wurde diesmal von der hannoverschen Regierung eine Umpfarrung nach Hoyel angeregt, von der preußischen Regierung und vom Presbyterium genehmigt und doch von den Gemeindegliedern nicht angenommen; 1877 hatte das Konsistorium in Münster wieder den Gedanken der Umpfarrung aufgenommen, aber eine Hausväterversammlung in Groß-Aschen hat sie wiederum abgelehnt. Nun aber kommt es im Jahre 1905 zu einer Bittschrift an das Konsistorium mit 50 Unterschriften, darin die Auspfarrung des Dorfes Groß-Aschen nach Hoyel von den Einwohnern gefordert wurde.

Außer den mancherlei praktischen und einleuchtenden Gründen, die ja schon immer erwogen worden waren, war es ohne Frage die Sorge, dass man durch die Stationierung eines Hilfspredigers in Klein-Aschen und durch eine Filialgemeinde dort seine bisherige gewisse Selbständigkeit verlieren werde, die Groß-Ascher beunruhigte. Diesmal scheiterte die Auspfarrung ganz einfach an der Geldfrage, da Groß-Aschen nicht bereit war, für die Umstellung die von Hoyel geforderten 10.000 Mark zu opfern.

Damit ist diese Frage seit 1906 zum Schweigen gekommen. Man spürt arre  ,dass hinter diesen Spannungen vielmehr die Enttäuschung steht, von der alten Muttergemeinde (und dem Friedhof) in Spenge zu der wenig respektierten Tochtergemeinde in Klein-Aschen abgeschoben zu werden. Unter Nachbar- und Geschwister-Dörfern findet sich solche Ablehnung und feindliche Haltung ja häufig.

Die Entwicklung ist aber inzwischen in anderer Weise weitergedrängt worden. In Hücker-Aschen hatte sich das kirchliche Leben immer stärker und selbständiger entfaltet. Bemerkenswert ist, dass die Ansätze schon vor der Einsetzung des ersten Hilfspredigers festzustellen sind.

Seit 1897 feiert Hücker-Aschen sein eigenes Missionsfest. Am 15. Juli 1890 vormittags um 10 Uhr brannte der Beckhoffsche Hof in Hücker ab. Als der Brandschaden wieder behoben war, stiftete der Hofbesitzer ein Missionsfest, das jeweils am Sonntag nach dem Bünder Missionsfest zu Gunsten der Rheinischen Mission alljährlich abgehalten wird. ln wenigen Worten führt der Hofbesitzer Buch über diese Missionsfeste. Wir erfahren da die Namen der Festprediger am Morgen in der Kirche und am Nachmittag auf dem Hofplatz, die Höhe der eingegangenen Kollekte und als nicht unwesentlich für das Gelingen das Wetter des Tages. Nur einmal in den mehr als 50 Jahren hat die Nachmittagsveranstaltung nicht unter freiem Himmel stattfinden können.

Zur Ausgestaltung pflegen auch die Nachbargemeinden beizutragen, so vor allem der Posaunenchor aus Holsen-Ahle. Das soll freilich nicht bedeuten, dass hier kein eigener Posaunenchor existiere. Am 2. Advent 1902 begründeten Lehrer Dustmann und Bauer Beckhoff dieses wichtige Glied unseres Gemeindelebens. Durch Stiftung von Instrumenten und Geld kamen 17 Instrumente zusammen. Der Junglehrer Milsmann, der des Hornblasens kundig war, leitete die ersten Übungen. Im ersten Weltkriege wurde der größte Teil der Bläser eingezogen und es blieben nur 3 Mitglieder übrig.

Da begann Wilhelm Schierbaum sen., neue Kräfte aus den Schulkindern im Alter von 10-12 Jahren heranzubilden, vornehmlich aus dem Ortsteil Südholz, so dass der neue Chor bald wieder 12 Bläser zählte.

Nach Kriegsende kamen die Vorkriegsbläser August Grundmann und Wilhelm Schierbaum jun. wieder dazu und Lehrer Dustmann übernahm die Leitung wie früher. Nach ihm taten das die Lehrer Metting, Korthals und Haselhorst. Von 1933 an ist Gustav Schierbaum der unermüdliche Leiter der Übungsstunden und des Chores. lm 2. Weltkrieg wurden wieder die meisten Mitglieder zum Wehrdienst eingezogen, und drei von ihnen kehrten nicht zurück: Heinrich Menkhoff, Gustav Kollmeier und Ewald Salchow. 1940 starb auch das älteste Mitglied des Chores, Wilhelm Schierbaum, im Alter von 80 Jahren nach 37 Jahren aktiver Mitwirkung. Nach dem Kriege wurden wieder junge Kräfte herangebildet, die mit den alten zusammen einen Chor von 16 Bläsern darstellen.

Gleichzeitig mit dem Posaunen-Chor wurde auch ein Kirchenchor von Lehrer Dustmann ins Leben gerufen, der unter den verschiedenen Lehrern geübt und gesungen hat, bis 1933 der Organist Beckhoff die Leitung übernahm. Dieser Chor ist während des 2. Weltkrieges eingegangen, seinen Dienst in der Gemeinde hat zum Teil dann die Gemeindejugend übernommen. Unter den Lehrern, die sich in den Dienst der Gemeinde stellten, muß Lehrer Wolff noch besonders hervorgehoben werden, der von 1911-1914 nicht nur die Chöre betreute, sondern auch eine Jugendgruppe sammelte und einen Turnverein mit ihr gründete.

Von diesem Eichenkreuz-Turnverein wurden Turngeräte angeschafft (Reck, Pferd, Barren, Sprungmatte), die jetzt unserer Schuljugend zur Benutzung dienen. Lehrer Wolf wurde im 1. Weltkrieg eingezogen und ist dann gefallen. Aber seine Turn- und Wettspiele, sein Schauturnen auf Wehrmanns Weiden sind nicht nur bis heute in einer guten Erinnerung der damaligen Mitglieder, sondern dieser Turnverein hat bis 1933 in der Gemeinde bestanden. Treibende und fördernde Kräfte waren dabei Bauer Wehrmann sen. und Schneidermeister Lücking. Obgleich der erste Weltkrieg mancherlei unterband und zerstörte, war das kirchliche Leben in Hücker-Aschen doch in kräftigeren Fluß gekommen.

Dabei war die Gemeinde schon seit 1907 ohne ihre eigene seelsorgerliche Betreuung, als das Konsistorium den Hilfsprediger Koch in eine andere Arbeit sandte und keinen Nachfolger mehr für ihn bestimmte. So mußten die regelmäßigen Gottesdienste in Klein-Aschen wieder abgebrochen werden. Wie ich eben darlegte, hatten sich die aktiven kirchlichen Gruppen allein zusammengefunden; sie blieben auch ohne besondere geistliche Leitung beieinander und fanden sogar die Querverbindungen nach außen.

Davon bringt wieder die Schulchronik von Groß-Aschen ein Beispiel. Am Sonntag, den 16. März 1913, fand auf dem Ascher Berge die feierliche Einweihung eines Freiheitssteines statt, den die Gemeindeeingesessenen gestiftet und der Maurermeister Kröger erbaut hatten. Bei strömendem Regen bewegte sich nachmittags ein großer Festzug durchs Dorf nach dem Denkstein, an dem die Schulkinder und der Gesangverein von Groß-Aschen, der Posaunenchor und der Jünglingsverein von Klein-Aschen, und die umliegenden Kriegervereine und Feuerwehren teilnahmen.

Der Groß-Ascher Lehrer Laumann, der dann aus dem Weltkrieg nicht heimkehrte, war bei dieser vaterländischen Feier wohl die treibende Kraft. Am 15. Juni desselben Jahres wurden zu beiden Seiten des Denksteines zwei „Wilhelmseichen“ geweiht, die noch heute stehen. Für uns ist diese Erinnerung an ein harmonisches Zusammenwirken der drei Dörfer, wie sie die Schulchronik festgehalten hat, eine besonders erfreuliche. Auch während des Weltkrieges setzten sich die Glieder von Groß-Aschen mit der Spenger Frauenhilfe für die sozialen Aufgaben ein.

Nach dem Kriege stellte eine Kirchenvisitation 1919 die Notwendigkeit fest, wieder einen Hilfsprediger für den Nordbezirk der Gemeinde Spenge zu entsenden. Allerdings musste der Hilfsprediger Müller für den erkrankten Pfarrer Schlemm in Spenge einspringen. Nachdem er an seiner Stelle dort 1. Pfarrer geworden war, fanden erneut Verhandlungen um einen Hilfsprediger für Hücker-Aschen statt. So wurde 1924 Pastor Dreyer hier eingesetzt und blieb, bis er 1926 in Holsen-Ahle zum Pfarrer gewählt wurde. Ihm folgten im Amt die Hilfsprediger Cremer, Oberwelland, Patze, Schmidt, Tersteegen und Döring.

In dieser zusammenhängenden Folge seelsorgerlicher Leitung der Gemeinde erfolgte mit großen Schritten die weitere Entwicklung. Zunächst wurde in Hücker ein eigener Friedhof angelegt. Das Land wurde von Bauer Wehrmann gekauft und von den Erträgen verkaufter Erbbegräbnisse bezahlt. Nur aus Gründen der Zweckmäßigkeit ist der Friedhof dann als Eigentum der Kirchengemeinde Spenge ins Grundbuch eingetragen. Die Einweihung des Friedhofes fand bei der ersten Beerdigung in Hücker statt, bei der Beerdigung des Bauern August Berger am 14. Oktober 1926. Seitdem ist der Friedhof beträchtlich erweitert worden, und eine weitere Ausdehnung ist vorbereitet. Am Eingang ist ein Ehrenmal für die Gefallenen des ersten Weltkrieges aufgerichtet. Daneben soll nun auch die Gedenkstätte für die Opfer des 2. Weltkrieges angelegt werden.

Aus dem Verkauf von Erbbegräbnissen und freien Liebesgaben der Gemeinde Hücker-Aschen wurden weiter 5.800 RM aufgebracht für den Erwerb eines Pfarrhauses das der Gemeinde 1927 zum Preise von 9.800 RM von der Firma Engelhard und Biermann (Zigarrenindustrie) angeboten wurde. Die restlichen 4.000 RM bezahlte Spenge aus seinem Baurücklagefonds. Zwar war die Herrichtung der ehemaligen Zigarrenfabrik zum Pfarrhaus nur eine Notlösung, aber es war damals eine rasche Lösung, um dem neuen Seelsorgebezirk einen Mittelpunkt zu gewähren.

Denn in dem früheren Fabrikationsraum konnte auch ein Konfirmanden- und Gemeindesaal eingerichtet werden. So konnte der Unterricht für die Kinder der drei Dörfer nun hier erfolgen. Gerade das ergab noch einmal eine Spannung zwischen Groß- und Klein-Aschen, aber bald sahen die Groß-Ascher den großen Vorteil ein, dass ihre Kinder nun den viel kürzeren Unterrichts- und Kirchweg hatten als nach Spenge. So haben dann hier auch die Konfirmationen seit 1933 selbständig gefeiert werden können.

Auch in Groß-Aschen ging die Entwicklung weiter. Im Jahre 1929 sammelte die Gemeinde 750 Mk. Liebesgaben für die Wiederherstellung ihres Altarbildes in der Kapelle, die politische Gemeindekasse steuerte 500 Mk. hinzu und die Landesdirektion Hannover auch 750 Mk. So konnte die alte Schnitzarbeit 1930 für 2.000 Mk. von dem Bildhauer Friedrich Burmann in Hannover in altem Glanz fachmännisch hergerichtet werden.

Im gleichen Jahr gelang es der Kapellengemeinde, anlässlich der Verkoppelung in Groß-Aschen auch einen Friedhof zu erwerben und anzulegen. Die Übernahme durch die Kirchengemeinde Spenge, die infolge der vorangegangenen Spannungen unterblieben war, wurde am 21.7.1946 feierlich unter Mitwirkung des Posaunenchors und der Jugendkreise von Hücker-Aschen und unter Anteilnahme des ganzen Pfarrbezirks vollzogen.

Im Jahre 1936 machte der Nordbezirk des Spenger Kirchspiels einen weiteren großen Fortschritt. Die Gemeinde erhielt zum Preise von 300 Mk. das alleinige Recht über die Kapelle in Klein-Aschen, die dann einem völligen Umbau unterzogen wurde. Es wurde auf dem von Bauer Hempelmann geschenkten Grundstück an die Kapelle als Querschiff ein geräumiges Längsschiff angebaut. Über dem Ausgang stiftete Kirchmeister Grönegreß eine Empore, für die eine alte Hausorgel erworben wurde. Nach den Hemmungen und Erschwerungen des 2. Weltkrieges, vor allem seit der Einberufung des Hilfspredigers Döring 1940, ist die selbständige Entwicklung dieser Gemeinde nun insofern zum Ziele gekommen, als die Hilfspredigerstelle im Jahre 1947 zur 3. Pfarrstelle von Spenge gemacht wurde. Sie hat hier ihre regelmäßigen Gottesdienste, ihr ausreichendes Gotteshaus, in dem die Groß-Ascher zu den regelmäßigen Besuchern gehören.

Alle Gemeindegruppen haben hier ihr eigenständiges Leben: Seit 1928 die Frauenhilfe, später männliche und weibliche Jugendkreise, CVJM und Jungschar, einen wenn auch kleinen Männerdienst. Sie hat sich dann einen behelfsmäßigen Kindergarten geschaffen, der allerdings in diesem Sommer ausfallen musste, aber als künftige Einrichtung bleiben soll. Sie hat alljährlich ihre Altenfeier, aus Mangel an einem ausreichenden kirchlichen Raum, auf Bergers Hof in Klein-Aschen.

Damit beginnen sich aber auch schon weitere Pläne für die Zukunft abzuzeichnen. Noch ist zwar der Kirchturm, den wir für unser dreifaches Geläut und zur Vervollständigung unserer Kirche errichtet haben, nicht ganz vollendet. Danach aber wird es Zeit, sich über ein Haus für die Zwecke der Gemeindegruppen Gedanken zu machen. Der Konfirmandensaal reicht soeben für die Unterrichtsgruppen, aber für keine größere Gemeindeversammlung wie Weihnachtsfeiern, Altenfeiern usw., ja nicht einmal für die vereinigten Jugendgruppen. Der Plan geht nun dahin, neben der Kirche ein entsprechend großes Gemeindehaus zu errichten, in dem auch ein Kindergarten Platz hat.

Darüber könnten 2 Wohnungen für unsere Flüchtlinge eingerichtet werden. Erst nach dieser Lösung ist es möglich, an den Bau eines richtigen Pfarrhauses zu denken, weil ja mit der Aufgabe des jetzigen Pfarrhauses der Konfirmandensaal verloren geht. Sind im Augenblick auch nicht die nötigen Mittel für solche Pläne vorhanden, so darf man sie für die gesunde Weiterentwicklung unseres Gemeindelebens nicht aus dem Blick verlieren.

Dass unsere junge Gemeinde nicht nur an den mancherlei Nöten der letzten Jahre an ihrem Teile mitgetragen hat - durch das Ev. Hilfswerk, Jugendfreizeiten der Industriestädte, Patenschaft für Ostzonengemeinden usw. - sondern schon Raum für einen ständigen Gast geschaffen hat, muß auch noch gesagt werden. Alle 14 Tage findet nachmittags in unserer Kirche der Gottesdienst der katholischen Flüchtlingsgemeinde unserer Dörfer statt, und wir hoffen, damit auch ein wenig die Not derer mitzutragen, die mit der Heimat auch ihre Heimatkirche verloren haben.

Der Zusammenhang zwischen den drei natürlicherweise zusammengehörenden Dörfern ist durch den Ausbau ihrer eigenen Gemeinde immer sichtbarer geworden. Wie die Frauenhilfe und die Jugendgruppen aus allen drei Dörfern gemischt sind, so bleibt bei der heranwachsenden Generation auch immer weniger in der Erinnerung haften von den politischen Ereignissen vergangener Zeiten, die den „Haß zwischen Preußen und Welten“ verursacht haben. In den 7 Jahren meiner hiesigen Tätigkeit ist schon manche junge Ehe über die Warmenau hinüber und herüber geschlossen worden und hilft mit, alte trennende Vorurteile zu beseitigen. Auch die zu uns gestoßenen Flüchtlinge stehen mit Arglosigkeit zwischen den alten Parteien und weisen in eine einige Zukunft für unsere aufbauende Gemeinde.

Deswegen braucht das Groß-Ascher Eigenleben durchaus nicht Einbuße zu erleiden. Ihr Posaunenchor ist unter Leitung des Lehrers Grothmann wieder aufgeblüht. Sie haben unter persönlichem Einsatz ihre Kapelle gründlich renoviert, daß sie wieder ein rechtes, sehenswertes Schmuckstück geworden ist. Auf Wunsch sind ihnen außer den traditionellen Abendmahlsgottesdiensten auch Bibelstunden und Gebetsstunden gehalten worden.

Sie haben die im Kriege beschlagnahmte Glocke unversehrt zurück erhalten und lassen sie täglich mit den Klein-Ascher Glocken zusammen erklingen. Und wenn sie auch die Instandsetzung und Erhaltung ihrer kirchlichen Einrichtungen unter mancherlei Opfern selbst durchführen, so haben sie es sich doch nicht nehmen lassen, an der gemeinsamen Kirche in Klein-Aschen nach Kräften mitzuhelfen.

Nachdem ich diese ungewöhnliche Entwicklung meiner jungen Gemeinde dargelegt habe, weiß ich meine Wünsche in keine besseren Worte zu kleiden, als der Apostel schreibt:

    „Zuletzt, liebe Brüder, habt einerlei Sinn, seid friedsam,

    so wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.“

 

K640_P1080893aDie Kirche in Klein-Aschen.
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

K640_P1080886Die Kirche in Klein-Aschen.
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

Schlaglichter aus der Gemeindechronik

Die Kirche von Hücker-Aschen:

Baujahr: 1863
Erweiterung 1936 um das Hauptschiff.

1950 wird der Turm angebaut.

Baustil: Wegen der Erweiterung hat die Kirche eine Nord-Süd-Ausrichtung.

Besonderheiten:
Glasfenster aus dem Jahre 1957 von Hilde Ferber mit Darstellungen aus dem Leben Jesu.

Steinmannorgel.
 

 

K640_P1010650Die Kirche in Klein-Aschen.
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

1947 wird aus den Dörfern Hücker-Aschen, Klein-Aschen und Groß-Aschen der dritte Pfarrbezirk der Kirchengemeinde Spenge gebildet. Hermann Böhlke, der als Hilfsprediger schon seit Mai 1944 den Dienst in Hücker-Aschen versieht, wird Pfarrer in diesem Spenger Gemeindeteil. Am 01. April 1952 wird dieser Pfarrbezirk von Spenge abgelöst und zur eigenständigen Ev.-luth. Kirchengemeinde Hücker-Aschen; Hermann Böhlke bleibt ihr Pfarrer. Die ersten kommissarisch gestellten Presbyter sind Karl Grönegress (Kirchmeister), Heinrich Döpke, Hermann Lüking, Gottfried Riepe und Wilhelm Wortmann. Schon bald wird der Bau eines neuen Pfarrhauses auf einem von Landwirt Ernst Wehrmann erworbenen Grundstück beschlossen. Im bisherigen Pfarrhaus (heute Bünder Str. 278) entstehen ein Konfirmanden- und Gemeindesaal sowie eine Küsterwohnung. Heiligabend werden drei Glocken (gr. = Friede, mttl. = Güte, kl. = Treue) in dem aus Spenden der Gemeindemitglieder errichteten Kirchenturm geweiht.

Martha Metting, die bisher die Reinigung der Kirche durchführt und Familie August Berger, die das Beheizen eines großen Koksofens und das Läuten besorgen, werden 1953 von Paul Barth aus Schleswig-Holstein als erstem Küster der Kirchengemeinde abgelöst. Totengräber ist Wilhelm Vogt; er erhält für die Aushebung und Zufüllung eines Grabes 12,-- DM.

1954 wird im alten Pfarrhaus eine Schwesternstation eingerichtet, und im Konfirmandensaal wird ein halbtägiger Kindergarten eröffnet; monatlicher Beitrag pro Kind 4,-- DM.

1957 wird die Kirche renoviert: Innenanstrich, Heizung, Altartisch usw.. Ein elektrisches Läutwerk wird angeschafft, und die Kirchenmalerin Hilde Ferber aus Bielefeld wird mit einem Entwurf für die Kirchenfenster beauftragt. Über dem „leeren“ Altarkreuz thront der Auferstandene, und alle neutestamentlichen Gestalten in den Seitenfenstern haben ihren Blick darauf gerichtet.

Im Turmeingang der Kirche wird eine Gedenkstätte für die im Kriege verstorbenen Gemeindemitglieder geschaffen.

Ende der 50er-Jahre versammelt Hanna Böhlke regelmäßig einen Literaturkreis im Pfarrhaus; zum Ausgleich für die von ihr aufgewandte Zeit übernehmen die Zuhörerinnen – während sie liest – ihre Stopf- und Strickarbeiten.

1960 erstellt die Kirchengemeinde auf dem kommunalen Friedhof in Groß-Aschen ein Steinkreuz.

1961 übernimmt die Kirchengemeinde von Schuster Hermann Metting das Grundstück neben der Kirche; an Stelle des darauf stehenden Gebäudes mit Werkstatt und Laden entsteht 1964 ein Parkplatz.

 

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Fotos Seite 164 oben
Text: 1962 Wird hinter der Kirche ein Kindergarten für zwei Gruppen und in der oberen Etage eine Wohnung für die Gemeindeschwester gebaut.

1965 wird das Richtfest des Gemeindehauses gefeiert und die Kirchturmuhr installiert. Im Gegenzug für ein neues Lesepult erhält die Kirchengemeinde Hücker-Aschen von der Nachbargemeinde Holsen-Ahle eine gebrauchte Eichenkanzel für die Kirche. Erste Hausmeisterin im 1966 eingeweihten Gemeindehaus wird Lina Hotfiel. Mathilde Tengeler löst Gudrun Niehaus in der Kindergartenleitung ab.

1967 gelingt es dem Presbyterium, die Kapelle in Groß-Aschen von der politischen Gemeinde Groß-Aschen zu übernehmen.

Als erste Frau kommt 1968 Therese Wortmann ins Presbyterium: unter anderem sind in jenen Jahren neben den Obengenannten im Presbyterium gewesen: Wolfgang Adolph, Wilhelm Beckhoff, Wilhelm Ewering, Auguste Hempelmann, Friedel Horstmann, Karl Hotfiel, Richard Grothaus, Wilhelm Meyer, Otto Meyerdrees, Gustav Schierbaum, Günter Schleef, Hermann Schleef und Friedrich Schröder.

1968 übernimmt Lina Hotfiel das Küsteramt von Paul Barth, und Schwester Hanna Diekmann beendet ihren Dienst als Gemeindeschwester; diese Stelle ist erst 1977 mit Schwester Ingrid Schönnagel wiederbesetzt worden.

Bei der Kirchenrenovierung 1974 werden der Fußboden erneuert – teils mit Schieferplatten – und neue Bänke angeschafft. Die Firma Steinmann, Vlotho, errichtet eine neue Orgel. Die alte Orgel stammte von einer Freimaurerloge in Bielefeld und „kränkelte“ ständig. Gemeindemitglieder erinnern sich, dass in der Nacht vor einer Konfirmation tatsächlich Lötzinn in der Gemeinde aufgetrieben werden musste, um die Orgel am nächsten Morgen überhaupt benutzen zu können. Die Organisten waren seit damals Heinrich Beckhoff, Werner Käsemann und Marten, Angelika, Cordula, Traugott und Michael Böhlke, später dann Elke Biermann, Ursula Finkener, Joachim Schierbaum, Sigrid Wagner, August-Wilhelm Schwedler, Axel Bruning, Markus Rathey und heute sind es Klaus Walter und Jürgen Oberschmidt.

1976 wird das alte Pfarrhaus an Walter Metting verkauft. Elsbeth Hotfiel wird Hausmeisterin im Gemeindehaus. Die bisherigen Kindergartenleiterin Frau Mathilde Degenhardt (vw. Tengeler) scheidet aus Altersgründen aus. Kurz vor seinem Ruhestand verstirb nach langer, schwerer Krankheit am 17. Juli Pastor Hermann Böhlke. Die Kirchengemeinde zählt ca. 1.750 Gemeindemitglieder. Am 01. Oktober wird Manfred Walter als Pastor im Hilfsdienst in die Kirchengemeinde Hücker-Aschen entsandt. Es findet der Zusammenschluss der Gemeindepflegestationen aller Kirchengemeinden im Beeich der Stadt Spenge zur zentralen Diakoniestation Spenge statt. Das Pfarrhaus wird um ein großzügiges Amtszimmer erweitert.

1977 übernimmt Gisela Heller von Elisabeth Ruwe die Küsterstelle in Groß-Aschen, die davor von Familie Potthoff versehen wurde. Im Mai entsteht auf Initiative einiger Jugendlicher des gemeindlichen CVJM unter dem Namen „Omnibus für alle“ der erste Vorläufer unseres jetzigen Gemeindebriefes.

1978. Ab 01. Januar übernimmt Manfred Walter die Pfarrstelle Schweicheln-Bermbeck-Sundern, und ab 01. April ist Karl-Heinz Schluckebier Pastor in der Kirchengemeinde. Im Mai feiert die Gemeinde zum ersten Mal die Goldene und Diamantene Konfirmation. 1979 fertigen einige Frauen aus der Gemeinde neue Paramente für Altar und Kanzel an: die lauten Elektro-Heizöfen werden durch eine Fußbodenheizung ersetzt. Im Gemeindebüro wird Elke Kötter eingestellt.

1980 finden zum ersten Mal ein Gottesdienst an der Windmühle und die Silberne Konfirmation statt. Ins Presbyterium kommen Renate Bohrenkämper, Jürgen Höke und Wilfried Brandhorst.

1981 erhält die Kirche in Klein-Aschen einen neuen Außenputz, und die Eingangstüren werden mit einer Eichen-Auflage versehen. Im Gemeindehaus wird die Küche durch einen Anbau erweitert und neu eingerichtet. Die Kirchengemeinden Hücker-Aschen, Spenge (mit Lenzinghausen) und Wallenbrück treffen eine Vereinbarung über die Bildung eines Jugendfachausschusses. Ende des Jahres verlässt Pastor Karl-Heinz Schluckebier die Kirchengemeinde Hücker-Aschen.

1982. Am 01. Oktober beginnt Wolfgang Moning (41 J., von 1974 bis 1982 Jugendpastor auf Sumatra/Indonesien) den Dienst als Gemeindepfarrer in Hücker-Aschen.

1983. Auf der Kapelle in Groß-Aschen wird der Wetterhahn erneuert. Das Presbyterium spricht sich dafür aus, dass die Grundschule vor Ort erhalten bleiben soll. Am Samstagnachmittag vor dem 1. Advent findet zum ersten Mal ein Gemeindenachmittag statt. Gisela Heller übergibt das Küsteramt in der Kapelle Groß-Aschen an Charlotte Beer.

1984 werden Marianne Bergmann und Hermann Oldemeyer Mitglieder des Presbyteriums. Pfarrer Wolfgang Moning wird von der Kreissynode Herford zum Synodalbeauftragten für die Kirchenkreispartnerschaft Sinabun gewählt; es geht um die Unterstützung der Missionsarbeit der Prot.-Karo-Batak-Kirche (GBKP) im Kirchenkreis Sinabun in Nordsumatra/Indonesien.

Renovierung der Kapelle und des Altarbildes in Groß-Aschen. Das Presbyterium beschäftigt sich mit der Errichtung von Leichenkammern neben der Kirche in Klein-Aschen. Nach mehreren Jahren übergibt Margret Schleef die Leitung des Bastelkreises an Bärbel Kiesling. Im Winterhalbjahr werden die monatlichen Frühgottesdienste in der Kapelle zu Groß-Aschen erstmalig am Samstag als Vesper-Gottesdienste durchgeführt. Die Aufnahme der Kapelle in Groß-Aschen in die Denkmallist der Stadt Melle wird diskutiert.

1985. Der Kindergarten wird an die Stadtwasserversorgung angeschlossen. Im Herbst verstirbt Hanna Böhlke im Alter von 72 Jahren. Im Gemeindehaus entsteht durch eine gründliche Renovierung aus dem ehemaligen Mädchenzimmer eine gemütliche Dachkammer, und es wird ein Töpfer-Brennofen angeschafft. Heinz Biermann übergibt das Amt des Totengräbers an Jochen Weiß. Die Friedhofsverwaltung geht von Else Deppe in die Hände von Renate Bohrenkämper.

1986. In den frühen Morgenstunden des Ostersonntags wird unter großer Beteiligung der Gemeinde zum ersten Mal die Osternacht gefeiert, anschließend festliches Frühstück im Gemeindehaus. Annegret Jurke löst Karoline Hotfiel ab, die seit 1968 Küsterin in Hücker-Aschen ist.

1987 entsteht ein Mutter-Kind-Treff mit wöchentlichen Zusammenkünften.

 

wird nachgereicht

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1988 kommen Renate Brünger, Renate Pieper, Jürgen Bettermann und Wilhelm Wittemeier ins Presbyterium: Neugestaltung des Gemeindehaus-Eingangs und –Vorplatzes, Erweiterung des kirchlichen Friedhofes in Hücker-Aschen.

1989. Anschaffung eines Klaviers im Gemeindehaus, an Stelle von Charlotte Beer wird Gertrud Jurke Küsterin in Groß-Aschen; Aufnahme einer Partnerschaft mit der Ev.-luth. Kirchengemeinde Hartenstein/DDR.

1990. „Abende unter dem Zeltdach“ am Gehlenbrink, Ausschneiden der Kastanienbäume an der Kapelle in Groß-Aschen. Maria Stamm wird Küsterin in Klein-Aschen. Ein Teil des Wohnzimmers im Pfarrhaus wird zum Gemeindebüro umgebaut. In der Gemeindewoche im Herbst findet unter großer Beteiligung ein Grundkurs des Glaubens statt.

1991. Gemeindekrankenschwester Ingrid Schönnagel beendet ihren Dienst in Hücker-Aschen und damit auch ihre langjährige ehrenamtliche Mitarbeit in Frauenkreis, Frauenhilfe und Altenkreis. Nachfolgerin wird Schwester Dorothea Zielinski aus Wallenbrück. Vom Lukas-Krankenhaus in Bünde kann eine gebrauchte Kleinorgel für die Kapelle in Groß-Aschen erworben werden, der Zugangsweg zur Kapelle in Groß-Aschen wird neu gepflastert. Die Kirchengemeinde bekommt ein neues Siegel. Der Jugendkeller-Zugang hinter dem Gemeindehaus wird neu gestaltet.

1992 werden Gabriele Gerling, Bernd Jurke und Wilhelm Kötter-Hempelmann Mitglieder des Presbyteriums. Intensive (leider erfolglose!) Bemühungen des Elternrates und des Presbyteriums zur Erweiterung des Kindergartens; auf Grund mehrfacher Anfragen aus der Gemeinde beschäftigt sich das Presbyterium erstmalig mit der Errichtung einer Friedhofskapelle. Ab Herbst wird der Gottesdienstbeginn von 9:30 auf 10 Uhr verschoben, und der Kindergottesdienst findet ab jetzt parallel statt.

1993. Umfangreiche Renovierung der Kirche (Deckenvertäfelung, Altarrund, Doppelverglasung, Beleuchtung, Treppe, Innenanstrich usw.).

1994. Restaurierung und Erweiterung der Kirchenorgel, Überdachung des Turmeingangs an der Kirche, Anlage eines Volleyball-Platzes hinter dem Gemeindehaus.

1995. Erneuerung der Fenster im Gemeindehaus; Frau Regine Moning wird zur Laienpredigerin berufen.

1996 kommt Horst Jurke ins Presbyterium. Im großen Saal und Klavierzimmer des Gemeindehauses werden die Gardinen erneuert. Regine Moning und Dorothea Zielinski beginnen mit den Kursen Religionsunterricht für Erwachsene. Auf dem Friedhof wird die Ruhezeit von 40 auf 30 Jahre herabgesetzt, zur Reduzierung der Unterhaltungskosten der geplanten Friedhofskapelle (und dadurch der Beerdigungskosten) beschäftigt sich das Presbyterium mit der Errichtung einer Windkraftanlage in der Nähe des Geräteschuppens am Ende des Friedhofes. Am 1. Advent wird das neue Evangelische Gesangbuch eingeführt.

1997. Die Kirchturmuhr wird mit einer Funkuhr verbunden.

1998. Im Mai findet mit über 120 jungen Leuten aus Spenge, Lenzinghausen, Wallenbrück und Hücker-Aschen ein Konfirmandentag (Arbeitsgruppen, Spielen, Gottesdienst usw.) statt. Sonntags abends trifft sich regelmäßig eine Jugendgruppe der Mennoniten-Brüdergemeinde (Russlanddeutsche) im Gemeindehaus. Das Presbyterium lehnt es ab, die Trägerschaft für den Kindergarten an den Kirchenkreis Herford zu übertragen. Bärbel Kießling übernimmt die Friedhofsverwaltung. Im Pfarrhaus wird das Badezimmer renoviert.

1999. Nach mehr als 23 Jahren übergibt Elsbeth Hotfiel das Amt der Hausmeisterin im Gemeindehaus an Anette Berger. Zur Errichtung der geplanten Friedhofskapelle wird mit dem Kreis Herford ein Streifen Ackerland getauscht. In einer Gemeindeversammlung findet ein von Pfarrer. Moning vorgeschlagener und von Architekt Wilhelm Ebeler ausgearbeiteter Entwurf eines Hauses der Begegnung – einer Kombination von Friedhofskapelle und unterschiedlich nutzbarem Versammlungsraum – bei den örtlichen Vereinen keine Unterstützung.

2000. Nach der Presbyterwahl gehören jetzt zum Presbyterium: Horst Jurke (Kirchmeister), Ernst-August Berger, Renate Brünger, Bettina Homann, Bernd Jurke, Renate Peter, Günter Schleef und Wilhelm Wittemeier. Nach der Statistik zählt die Kirchengemeinde etwa 1.550 Gemeindemitglieder. Die Gesamtzahl der Gottesdienstbesucher beträgt in Hücker-Aschen ca. 5.480 und in Groß-Aschen 550.

2001. Im Jugendkeller des Gemeindehauses werden die Bodenfliesen und der Anstrich erneuert, die Kirche erhält im Eingangsbereich eine Ganzglas-Zwischentür und im Altarrund wird das Weiß aufgefrischt.

Auf Grund einer besonderen Vorruhestandsregelung der Ev. Kirche von Westfalen wird Wolfgang Moning seinen Dienst als Pfarrer der Ev.-luth. Kirchengemeinde Hücker-Aschen zum Ablauf des Jahres beenden.

 

K640_P1080888Die Kirche in Klein-Aschen.
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

Das alte Pfarrhaus

Unpraktisch, ohne jeglichen Komfort, aber trotzdem lieb gewonnen und in guter Erinnerung. Fand hier und von hieraus doch zunächst das ganze Gemeindeleben statt.

 

K640_img492Das alte Pfarrhaus in Hücker-Aschen

 

In den Herbstmonaten traf sich hier die Laienspielgruppe, um ein Weihnachtsstück einzuüben. Auch die Männerarbeit hatte hier ihren Platz. Lediglich der Helferkreis des Kindergottesdienstes traf sich im Amtszimmer des Pastors, wo auch gleichzeitig das Gemeindebüro war. Einen Vorteil hatte das: das Pfarrerehepaar Hanna und Hermann Böhlke, das alle diese Kreise (außer Kindergarten) gemeinsam oder einzeln betreute, hatte zu den jeweiligen Veranstaltungen keine weiten Wege zurückzulegen.

Aus diesem räumlichen Zusammenhang erklärt sich auch die kleine Geschichte, die bereits zum Chorjubiläum vor Jahren erzählt wurde: „Nach dem Zweiten Weltkrieg lagen die Geschicke des Chores zunächst in den Händen von Frau Böhlke. Es war damals kein großer Chor. Die zur Verfügung stehenden Mittel waren dürftig. Es gab nur ein altes Harmonium und wenig Notenmaterial. So wurde in der Epiphaniaszeit einmal der Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ eingeübt, bei dem die Einsätze der verschiedenen Stimmen schnell hintereinander erfolgen. Wie schön … wie schön … wie schön…

Leider klang und klappte es aber gar nicht schön, so wurde unverdrossen den ganzen Abend geübt, was den Pfarrerskindern im hellhörigen Pfarrhaus nicht verborgen blieb. So sang dann auch die kleine Tochter beim Spiel den ganzen nächsten Tag: Wie schön … wie schön … wie schon…, wohl nicht gerade zur hellen Begeisterung der Pfarrfrau.“

Nachdem Böhlkes 1953 in das neue Pfarrhaus umziehen konnten, wurde im alten Pfarrhaus der Konfirmandensaal erweitert, eine Schwesternstation eingerichtet und der halbtägige Kindergarten neu eröffnet.

 

Gott will alle

 

K640_img491aPastor Moning mit Familie beim Amtsantritt in Hücker-Aschen

 

Um den Menschen das Evangelium von Jesus Christus nahe zu bringen, lagen Pfarrer Moning außer den sonntäglichen Gottesdiensten in Hücker-Aschen und Groß-Aschen besondere Veranstaltungen am Herzen, die die weniger regelmäßigen Gottesdienstbesucher und Fernstehende ansprechen. Hier sind vor allem die Gottesdienste zu Christi Himmelfahrt am Hücker-Moor zu nennen. Es sei an die Prediger Johannes Hansen (1987, 1993 und 2001) und Axel Kühner (1991) sowie Landesbischof Ako Haarbeck (1995) und die Superintendenten Dr. Detlef Hoffmann (1996) und Gerhard Etzien (1998) erinnert.

In Zusammenhang mit der Deutschen Zeltmission gab es 1990 bei dreizehn Abenden unterm Zeltdach Denkanstöße zum Leben und zum Glauben. Es sprachen Edwin Döring, Georg Gremels und Diedrich Meisinger; nicht zu vergessen der Abend mit dem Liedermacher Siegfried Fietz.

In den allherbstlichen Gemeindewochen waren u.a. Pfarrer Bernd Schlotthoff, Altpräses Dr. Hans Thimme, Prof. Dr. Gerhard Ruhbach und P. Wolfgang Blech von der Malche zu hören.

In den plattdeutschen Predigten der Gottesdienste an der Windmühle brachten die Pfarrer Hans Peter Rüther, Wilhelm Dullweber und Julius Baumann, aber auch Werner Schlüpmann, die Zuhörer zum Nachdenken und Schmunzeln.

In den Winterhalbjahren 1991 bis 1998 haben Pfarrer Moning und seine Frau mit verschiedenen Mitarbeitern regelmäßig zu Abendgottesdiensten in anderer Gestalt mit modernem Liedgut oder musikalischen Darbietungen eingeladen. Leider fand dieses Angebot am Sonntagabend im Laufe der Zeit immer weniger Zuspruch.

Nach der Einstellung des jährlichen Missionsfestes auf Beckhoffs Hof Ende der 60er Jahre beteiligte sich die Kirchengemeinde Hücker-Aschen am Missionsfest in Dreyen. Aber auch hier schrumpfte die Besucherzahl zusehends. Nach 72 Jahren wurde 1999 das letzte Dreyener Missionsfest gefeiert.

Um so größeren Zuspruch fanden die Sommerabende auf der Deele auf Kindermanns Hof in den Jahren 1997 und 2000. In lockerem Rahmen mit Chören und Solisten, Interviews und plattdeutschen Erzählungen, Bratwurst und Getränken hörten jeweils mehr als 2.000 Besucher die Pastoren Axel Kühner, Klaus Vollmeer und Eckard Krause.

Bei der Erstellung der obigen Artikel waren beteiligt:

WOLFGANG ADOLPH, ILSE BODZIN, JUTTA ELLERBROK, BETTINA HOMANN, FRIEDEL HORSTMANN, HANNA KAPP, BÄRBEL KIEßLING, HELMUT KLAUSING, ELKE KÖTTER, REGINE und WOLFGANG MONING, MARGRET und GÜNTER SCHLEEF, ELSBETH SCHÜRMANN, SILKE VODEGEL, ERIKA WITTEMEIER, THERESIA WORTMANN.

 

 

Kirche schloss die »Gottlosen« aus

Wolfgang Günther befasst sich im historischen Jahrbuch mit »Renitenz in Spenge«

Kirchenzucht, was ist das eigentlich? »So nannte man den kirchenbehördlichen Umgang mit Abtrünnigen. Im 19. Jahrhundert waren die kirchlichen Regeln streng, auch in Spenge und Umgebung«, erzählt der Autor Wolfgang Günther.

Er muss es wissen, hat er doch für das »Historische Jahrbuch 2008 für den Kreis Herford« einen 18-seitigen Aufsatz zu dem Thema verfasst. Der »Renitenz in Spenge« widmet sich der Autor in sehr detaillierter Weise. Wolfgang Günther, der hauptberuflich Archivar bei der Landeskirche ist, hat Registraturen durchforscht, unter anderem das Stadtarchiv in Spenge und das Kommunalarchiv in Herford. Insgesamt ging er drei Jahre lang auf Spurensuche und trug das interessante Material zusammen, »allerdings nicht kontinuierlich«, betont er.

So genannte »Gottlose« oder Gemeindemitglieder, die ein öffentliches Ärgernis darstellten, sollten von der Kirche wieder auf die rechte Bahn gebracht werden. Wenn es nicht gelang, sie durch seelsorgerische Gespräche oder auch durch Ausschluss kirchlicher Sakramente zu überzeugen, wurden sie aus der Kirche ausgeschlossen. Das bedeutete unter anderem, dass bei einer Bestattung kein Pfarrer anwesend war. Er stellte in früheren Jahrhunderten eine Persönlichkeit dar, der man größten Respekt zollen musste.

Die »Erweckungsbewegung«, eine freie Kirchengemeinschaft, war der westfälischen Provinzialkirche ein Dorn im Auge. So auch im Minden-Ravensberger Land und besonders in Spenge, wo der Konflikt noch durch ökonomische Auseinandersetzungen begründet war. Um die Unversöhnlichkeit des Pfarrers Eduard Berghauer und des Kolons und Presbyters Hermann Oberfeld ranken sich viele Geschichten, nachzulesen im Historischen Jahrbuch 2008.

Erwähnenswert auch, dass Spenge im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts zum Kirchenkreis Halle gehörte, und damit auch die Bauernschaften Klein-Aschen und Groß-Aschen. Letzteres lag - und liegt noch heute - jenseits der westfälischen Landesgrenze (Niedersachsen). Am Historischen Jahrbuch hat sich auch Norbert Sahrhage beteiligt. Der in Spenge wohnhafte Heimatforscher berichtet über die »Anfänge der Bünder Arbeiterbewegung«.

Spenger Nachrichten vom 28.11.2007

 

 

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Kirchenfenster:
Hildegard Marianne Antonie Ferber (*13. Oktober 1901 in Wetzlar; †21. Juli 1967 in Rotenburg an der Fulda) war eine deutsche Glasmalerin, Kunsterzieherin und Religionspädagogin. Sie hat 1957 u. a. in der ev. Kirche in Klein-Aschen mehrere Fenster, hergestellt.
 

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