Das Hücker Moor

 

P1180101xxxwebFoto: CHRISTINA ELLENBERG

 

 

Hücker-Moor (Stefan Henke)Hücker Moor Übersicht.
Foto: Stefan Henke

 

 

P1180182a - KopieUnser schönes Hücker Moor. Rechts die Anglerhütte.
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

IMG_20191007_135347xxx - KopieUnser schönes Hücker Moor...
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

147xUnser schönes Hücker Moor...
Foto: CHRISTINA ELLENBERG

 

 

 

ZUR ENTSTEHUNG DES HÜCKER MOORES

Von August Mestwerdt

Oberhalb Bünde verbreitert sich das Tal der Else in einem auffälligen Ausmaß und bildet vor den Höhen, auf denen die Gemeinden Hücker und Aschen belegen sind, eine Ausbuchtung, die von dem alten, südlichen Außenrand des Elsetales umschlossen wird.

In dieser volkstümlich „Bruch“ genannten Ausbuchtung liegt das Hücker Moor, eine der wenigen größeren Moorflächen des Kreises Herford. Durch Abstechen des wohl mehrere Meter mächtigen Torfes ist ein ausgedehnter verzweigter See entstanden, an dessen Ufern sich vielfach ein üppiges Buschholz entwickelt hat. In den See münden nur geringe Wasserläufe, und sein Abfluß vereinigt sich nahe Hunnebrock mit der Neuen Else. Die stille Abgeschiedenheit des Bruches hat zur Errichtung eines Erholungsheimes Veranlassung gegeben, für dessen Wasserversorgung eine 1943 fertiggestellte Tiefbohrung dienen sollte. Die Bohrung hat trotz ihrer beachtlichen Tiefe von 143 m ihr Ziel nicht erreicht, aber doch eine Reihe von Ergebnissen geliefert, die dem Geologen wichtige Rückschlüsse bei der Frage nach der Entstehung des Hücker Moores erlauben.

Leider konnten in der Kriegszeit die Bohrproben nicht in der wünschenswerten Weise gesammelt werden, sodaß wir nur ein nach den notdürftigen Angaben des Bohrunternehmers aufgestelltes Verzeichnis der durchbohrten Schichten besitzen.

Bevor wir auf dieses Schichtenverzeichnis näher eingehen, wollen wir uns mit den in der Umgebung des Hücker Moores an der Tagesoberfläche verbreiteten geologischen Bildungen vertraut machen. Hierbei leistet uns die geologische Karte Herford-West gute Dienste.

Die von Prof. Dr. 0. Burre bearbeitet und mit Erläuterungen versehen von der früheren Preußischen Geologischen Landesanstalt, Berlin, 1926 herausgegeben worden ist.

Die eingangs schon erwähnten Höhen von Hücker und Aschen verdanken ihr Dasein dem Umstande, daß sie aus Gesteinen bestehen, die der Verwitterung und Abtragung gut Widerstand zu leisten vermögen. Es sind sehr harte Sandsteine (Quarzite) in dünnen, seltener dickeren Bänken, die mit schwarzen Schiefertonen wechsellagern, wobei letztere überwiegen. Diese Schichtenmasse wird als Oberer Keuper oder Rät bezeichnet. In den Sandsteinbänken sammelt sich Wasser, von dem eine geringe Menge zum Hücker Moor abfließt. Tiefere Keuperschichten treten hier nirgends zutage, werden uns aber im weiteren noch zu beschäftigen haben.

Nach Norden, Osten und Süden taucht der Rätkeuper infolge seiner kuppelförmigen Lagerung unter die nächstjüngere Formation, den Jura, unter. Ob dies in lückenloser Aufeinanderfolge der zu erwartenden Schichten geschieht, was wohl meistens der Fall sein dürfte, oder ob durch Schichtenverschiebungen Schichtlücken entstanden sind, läßt sich wegen der ausgedehnten Lehmbedeckung meist nicht ohne weiteres entscheiden.

In der Herforder Gegend ist der Untere Jura oder Lias weitverbreitet, und man nennt daher die weite, flachwellige Niederung zwischen den Keuperhöhen und dem Teutoburger Walde die Herforder Liasmulde. Sie reicht weit bis in's Lippische hinein, wo sie ohne Unterbrechung bis über Lage und Lemgo hinaus festzustellen ist. Andererseits findet der Lias stellenweise, wie z. B. östlich von Hücker und Aschen. wo er in Siele und Besenkamp nachzuweisen ist, seine Fortsetzung durch alle jüngeren Jurastufen bis zum Wiehengebirge, das aus Mittlerem und Oberem Jura, also aus Dogger und Malm besteht.

Das Hauptgestein der Herforder Liasmulde ist ein dunkler Schieferton oder, falls er kalkig ist, Schiefermergel. Im Volksmund führt es vielfach die Bezeichnung Pagenmergel, und der Brunnenbauer nennt es Kummer, wie auch der Bergmann alles Gestein, das für ihn wertlos ist und nur unnütze Arbeit macht, so bezeichnet.

Wir werden diesem Kummer weiterhin noch begegnen. Andere Gebirgsschichten als Rätkeuper und Lias treten in der Umgebung des Hücker Moores nicht an die Tagesoberfläche, die im übrigen aus Schuttböden der Quartärformation besteht, aus Diluvium und Alluvium.

Das Diluvium ist das Zeitalter, in dem wiederholt große Inlandeismassen über Norddeutschland hinwegzogen. Von der ersten Vereisung sind bislang aus unserer Gegend keine sicheren Zeugen in Form von Grundmoräne bekannt geworden. Die ältesten Diluvialbildungen bestehen aus Sandmassen, die von den Gletscherbächen des heranrückenden Eises besonders in den Talräumen, vor allem denen der Else, ausgebreitet wurden. Man bezeichnet diese Sandmassen als Vorschüttungssande, die auch an das Hücker Moor heranreichen. Dann zog das Inlandeis, das wir als dasjenige der vorletzten Eiszeit deuten müssen, selbst heran und breitete seine Grundmoräne, eine graue mergelich-sandige Masse gespickt mit den bekannten dicken Findlingsblöcken, wie auch mit kleineren und kleinsten Steinen, über Höhen und Täler aus.

Als das Eis sich nach Norden zurückgezogen hatte, nachdem noch weitere Schmelzwassersande, Nachschüttungssande genannt, hergegeben worden waren, kam die letzte Zwischeneiszeit mit ihrem wärmeren Klima, ihrer tiefgründigen Verwitterung und flächenhaft weit ausholenden Abtragung der älteren Diluvialbildungen. In der letzten, der dritten Eiszeit, ist das Inlandeis nicht bis in unsere Gegend vorgedrungen. Stattdessen haben aus westlicher Richtung kommende Steppenwinde den staubfeinen Löß herangetragen, der als hellbräunlicher Feinlehm sich über alle älteren Bildungen hinweglegt und diese, wie in Hücker und Aschen den Rätkeuper, in unregelmäßiger Umgrenzung und meist leicht verschleiert an die Tagesoberfläche kommen läßt.

In der jüngsten Diluvialbildung wurde längs der Else aus umgelagertem Sand, Lehm und Ton eine besondere Terrasse gebildet, die dem Hücker Moor ferngeblieben ist. Von hier sind nur noch die im Alluvium entstandenen Bildungen zu erwähnen, die den landschaftlich tiefstgelegenen ebenen Talboden der offenen Gewässer einnehmen. Dieser wird meist von Wiesen bedeckt, und solche umranden in schmalem Zuge größtenteils auch das Hücker Moor. Moore wachsen bekanntlich durch Ansiedlung von Torfpflanzen in abflußbehinderten Becken und ihr Wachstum dauert, wo sie unberührt bleiben, noch in der Gegenwart fort.

Weshalb konnte aber gerade hier, wo das Hücker Moor liegt, solch ein abflußarmes Bruchgelände entstehen? Die Antwort hierauf kann uns die einleitend erwähnte, 143 m tiefe Bohrung geben, mit deren Schichtenfolge wir uns nunmehr, nachdem wir die in der Umgebung des Hücker Moores vorkommenden Gesteins- und Bodenarten kennengelernt haben, beschäftigen wollen. Wie schon bemerkt, haben nur Angaben des Bohrunternehmers, nicht aber auch Bohrproben für die Aufstellung eines Schichtenverzeichnisses zur Verfügung gestanden.

Danach reicht in der dicht am Rande außerhalb des Moores angesetzten Bohrung „aufgeschwemmter Boden“ bis zu rund 50 m Tiefe hinab. Bei etwa 45 m unter Tage fand sich eine „Torf- und Holzschicht" vor. Von 50 m bis zum Schluß der Bohrung bei 143 m lagert „Kummer", der von 130 m Tiefe an mit „harten Bänken" wechsellagert.

Was nun die Altersdeutung dieser dürftigen Schichtenangaben anbetrifft, so stammt der aufgeschwemmte Boden wahrscheinlich aus diluvialer Zeit. Unsere Deutung schließt sich somit an die geologische Karte an, die an dieser Stelle fluvioglaziale Aufschüttungen der vorletzten Eiszeit verzeichnet. Auffallen muß aber die große Tiefe von 50 m, bis zu der die Aufschüttungssande hinabreichen, denn in den Flußtälern der Else und Werre beginnt durchschnittlich schon in 9-10 m Tiefe der aus festen Gebirgsschichten bestehende Untergrund. Durch fließendes Wasser kann eine so tief gehende Ausräumung nicht entstanden sein und auch eine Auskolkung durch herabstürzendes Gletscherwasser hat wenig Wahrscheinlichkeit für sich.

Nun ist aber eine solche kesselförmige Vertiefung bis weit unter das immer wieder festgestellte Erosionsniveau keine einzig dastehende Erscheinung. Vielmehr sind im Laufe der Jahre mehrere derartige Talkessel bekannt geworden. In erster Linie sind hier die Moorvorkommen der beiden Bäder „Seebruch“ und „Senkelteich“ nahe Vlotho, Kreis Herford, zu nennen. Die beiden rundlichen, mit Schwefelquellen in Verbindung. stehenden Moorlager sind längst als jüngste Ausfüllungen von Erdfällen erkannt worden. Nicht weit entfernt kann man solche trichterförmigen Vertiefungen in höherem Berglande sehen, wo sie aber oberhalb quellbringender Schichten belegen, bis auf den Grund trocken geblieben sind.

Andere Beispiele sind von Bad Salzuflen zu nennen. Hier wurden bei Erschließung des Neuthermalsprudels in der alluvialen Talaue der Salze, einem Nebenlauf der Werre, unter 4 m Alluvium bis 69 m Tiefe Diluvialschichten und erst dann der feste Gebirgsuntergrund (Keuper) erreicht, der weiter abwärts schon in 10 m Tiefe anzutreffen ist, ein Beweis, daß nicht der Bach jene Tiefe ausgehöhlt haben kann.

Man kann auch hier nur an einen Einbruch im festen Keuperuntergrund denken, und an der Ausfüllung dieses Erdfalles mit Sand und Kies, mit Geröllen von Gesteinen der Nachbarschaft und auch mit tonigen Lagen war zu erkennen, daß der Hohlraum zu diluvialer Zeit in demselben Maße, wie er sich senkte, auch wieder ausgefüllt wurde. In der alluvialen Gegenwart wurden hier die gleichen Schichten abgelagert wie im übrigen Talgebiet, ein Zeichen, daß nunmehr kein weiteres Absinken des Untergrundes stattfand.

Eine andere Bohrung in Bad Salzuflen, und zwar in der Begaaue bei Hoffmann's Stärkefabriken, ist für unsere Hücker-Moor Bohrung besonders wichtig, wenn sie auch weniger tief ist und nicht einmal die Sohle der in diluvialer Zeit ausgefüllten Vertiefung erreicht hat. Es wurde hier aber eine humose Lage angetroffen, deren Pollengehalt ihre Entstehung zur vorletzten Zwischeneiszeit erwies. Die an der Tagesoberfläche entstandene Humusschicht ist mit ihrer Unterlage in die Tiefe gesunken und über ihr sind weiterhin Sand- und Kiesschichten abgelagert worden.

Da nun beim Hücker Moor in 45 m Tiefe, wie erwähnt, auch eine Humusschicht, die vom Brunnenbauer als „Torf- und Holzschicht" bezeichnet worden ist, sich vorgefunden hat, liegt die Vermutung nahe, daß sie ebenfalls zur vorletzten Zwischeneiszeit als Oberflächenbildung entstanden ist. Der auf ihr liegende „aufgeschwemmte Boden“, den man sich wohl als mit Kies vermischten Sand vorzustellen hat, steht in unmittelbarer Verbindung mit dem in der geologischen Karte an dieser Stelle angegebenen Vorschüttungssand der vorletzten Vereisung. Die wenigen Meter unter ihr bis zum Beginn des „Kummers“ hat man wohl ebenfalls als zwischeneiszeitliche Ablagerung anzusehen, da in diesem Zeitraum besonders die vordem entstandenen Diluvialschichten größtenteils fortgeräumt oder umgelagert worden sind.

Es mag gewiß noch manche derartige verfüllte Kessel unter dem Talboden unserer Gewässer geben, und wenigstens auf einen solchen von 60 m Tiefe, der bei Hardissen in Lippe zwischen Lage und Lemgo am Otternbach vor Jahrzehnten durch eine Bohrung festgestellt werden konnte, soll hier nur kurz hingewiesen sein.

Wie aber entsteht solch ein Erdfall und wie im besonderen der unter dem Hücker Moor?

Die Beispiele von Bad Salzuflen weisen wohl am einfachsten auf die Beantwortung dieser Frage hin. Leichtlösliche Gesteine des Untergrundes werden vom Wasser ausgelaugt, es entstehen Hohlräume, deren Decke je nach ihrer Festigkeit entweder langsam nachgibt oder plötzlich einstürzt oder, wie das von alten Höhlen bekannt ist, über Jahrtausende standhält.

Leichtlöslich sind manche in der Erdrinde massig vorkommenden Salze, Chloride und Sulfate, so das Steinsalz (Kochsalz oder Natriumchlorid) und der Gips (Kalziumsulfat). Die Hücker-Moor-Bohrung hat zwar kein Süßwasser geliefert, wohl aber eine Sole, die mit 15,5 °C in einer Menge von 2 cbm stündlich ausfloß.

Das Wasser ist vom Städtischen Untersuchungsamt Bielefeld untersucht worden. Danach hat das Wasser ein farbloses, blankes, beim Stehen leicht gelblich trübes Aussehen und einen bitteren Geschmack. Die Summe der gelösten Stoffe beträgt 14,19 g auf 1 kg Wasser. Der Chlor-Anteil ist 1,34 g/kg, das Sulfat 7,14 g/kg und das Hydrokarbonat 0,98 g/kg, denen gegenüber hier nur Natrium mit 4,00 g/kg und Kalzium mit 0,40 g/kg genannt seien. Als Hauptsalze sind daraus errechnet und hier zu erwähnen Natriumsulfat 9,70 g/kg, Natriumchlorid 2,20 g/kg, Kalziumsulfat 0,82 g/kg und Kalziumhydrokarbonat 0,64 g/kg. Das Natriumsulfat oder Glaubersalz steht demnach bei weitem obenan und erst in weitem Abstand folgt Natriumchlorid. Mithin handelt es sich um eine salinische Bitterquelle und die fast 1½%ige Sole ist besonders wegen ihres Glaubersalzgehaltes ein kräftig schmeckendes und sehr wirksames Mineralwasser.

Fragen wir nun nach der Herkunft der Salze, so können wir sie in den von 50 - 143 m Tiefe durchbohrten Schiefern des Lias und Oberen Keupers nicht suchen, denn nirgends sonstwo im nordwest-deutschen Raum sind in diesen Formationen Einlagerungen, von denen jene Mineralsalze herrühren könnten, bekannt. Wohl aber im Mittleren Keuper, der bei Fortsetzung der Bohrung unter den „Kummer“-Schiefern anzutreffen gewesen wäre und der schon durch seine Bezeichnung als Gipskeuper das Auftreten von Sulfaten in ihm erwarten läßt.

Der Gipskeuper ist eine über 200 m mächtige Mergelformation, entstanden in einem Flachwasserbecken, das mit dem Meere in beschränkter Verbindung stand und in das vom Festland zeitweilig Ströme einmündeten. Sein Grund senkte sich ungleichmäßig, aber andauernd langsam ab, und es bildeten sich mehr oder weniger ausgedehnte Tümpel, in denen bei einem trockenen, heißen Klima Salze auskristallisierten, vor allem schwefelsaures Kalzium. Anhydrit oder nach Aufnahme von Wasser Gips, meist in Gesellschaft von Steinsalz, aber auch von anderen Chloriden und Sulfaten.

Die Sole, die durch die Bohrung am Hücker-Moor erschlossen worden ist, verrät uns das Vorhandensein eines Salzlagers in der Tiefe, und zwar eines Salzlagers besonderer Art. Denn es besteht nicht, wie sonst im westfälisch-lippischen Keupergebiet zumeist aus schwefelsaurem Kalzium (Gips). sondern, wie wir schon erfahren haben, in der Hauptmasse aus schwefelsaurem Natrium (Glaubersalz), ein Sonderfall, der in der etwa 13 km entfernten Glaubersalzquelle des Kur- und Badebetriebes der Stadt Melle ein Seitenstück haben dürfte.

Das Salzlager ist von Wasser, das in gewissen Keupermergeln reichlich auftritt, angegriffen worden, und es entstand ein Hohlraum, womit die Voraussetzung für einen Erdfall gegeben war. Natürliche Solquellen scheinen im Bereich des. Hücker Moores nicht aufgetreten zu sein, was die Lias- und Rätschiefertone wohl verhindert haben, oder aus der Tiefe etwa aufsteigende Laugen sind in den diluvialen Sand- und Kiesmassen so stark verdünnt worden, daß durch das Moor keine bemerkbare Entwicklung von Schwefelwasserstoff durch Zersetzung des Sulfates eingetreten ist, eine Erscheinung, die im gegenteiligen Fall dem Schwefelschlamm-Moor des Bades Meinberg in Lippe den Namen Stinkebrink eingetragen hat. Wäre die Bohrung am Hücker Moor nicht ausgeführt worden, so hätte man wohl kaum jemals etwas von dem Vorhandensein von Glaubersalz in der Tiefe erfahren und daß dort die Voraussetzung für die Entstehung einer Vertiefung und damit für die des Torflagers zu suchen ist.

Wenn wir zum Schluß eine Rückschau auf alles Geschehen halten, was mit der Entstehung des Hücker Moores zu tun hat, so ergibt sich folgendes Bild: Im Mittleren Keuper kristallisiert ein Salzlager aus, in dem Natriumsulfat oder Glaubersalz durch seine Menge gegenüber anderen Salzen eine hervorragende Rolle spielt. Auf den Mittleren folgt der Obere Keuper, und nach diesem ist die Juraformation wohl mit allen ihren Stufen, wenn auch im Malm schließlich bei verzögertem Absinken des Meeresgrundes, abgelagert worden.

Die Untere Kreideformation ist vom Wälderton (Wealden) an wahrscheinlich vollständig entwickelt gewesen, ebenso noch der untere Teil der Oberen Kreide; gegen Schluß dieser Zeit wurde der Raum zwischen Teutoburger Wald und Wiehen-Weser-Gebirge emporgehoben und die so zwischen dem Münsterschen Becken und dem norddeutschen Gebiet entstandene Schwelle wurde in unserem Ravensberger Raum nach und nach bis auf das Lias-Keuper-Niveau abgetragen. Dieser Vorgang dauerte an, bis im Alttertiär das Meer erneut vordrang und seine versteinerungsreichen Schichten ablagerte. Hiervon sind in Doberg bei Bünde und seiner Umgebung nach Rückzug des Meeres und infolge Abtragung nur kleine Reste erhalten geblieben, nachdem nämlich im Jungtertiär unser Gebiet von neuen Bewegungen der Erdrinde betroffen worden war. Ihnen folgte bis zum Ende der Tertiärformation die Gestaltung der heute noch das Landschaftsbild beherrschenden Höhen und Täler, deren Gegensätze von den diluvialen Ablagerungen verhältnismäßig nur wenig gemildert wurden.

Mit der Formung der Landoberfläche ordneten sich auch die Wasserverhältnisse, nicht nur die des sichtbar fließenden Wassers, sondern auch die des zur Tiefe abwandernden Grundwassers. Jetzt war das Salzlager in der verhältnismäßig geringen Tiefe von schätzungsweise 200-250 m Tiefe dem ständig sich erneuernden Grundwasser ausgesetzt. Mag auch zur Zeit der ersten Vereisung die Grundwasserbildung zeitweilig behindert gewesen sein, um so stärker setzte sie aber in der ersten Zwischenzeit ein. Von Salzquellen aus dieser Zeit wissen wir nichts, sie sind infolge der erwähnten Überdeckung durch Schiefertone wahrscheinlich ebenso wenig, wie in späterer Zeit, zutage getreten. Aber die Laugen konnten sich in der Tiefe in allen durchlässigen Gesteinsschichten weithin ausbreiten, und die Salzmasse verringerte sich so sehr, daß das Gewölbe einzusinken begann, alle auflagernden Schichten nachgaben und an der Tagesoberfläche eine Niederung entstand, in der ein Torflager sich entwickelte

Das Einsinken ging schneller als das Wachsen des Torflagers, sodaß dieses in den tiefsten Abschnitt des Senkungstrichters zu liegen kam. Sandmassen wurden eingeschwemmt, die als Verschüttungssande der vorletzten Eiszeit zu deuten sind, da sie mit gleichen Ablagerungen am Rande der Vertiefung in Verbindung stehen. Dann kam das Inlandeis und überdeckte, wie die gesamte Umgebung, so auch das Bruchland selbst. Hier ist die Grundmoräne später wieder fortgewaschen worden, und nur einzelne Findlinge mögen unter dem Moor versteckt liegen. Die Ausräumung geschah in der zweiten (letzten) Zwischeneiszeit, wobei ein Terrassenrand sich um den Bruch herumzog. Das Absinken des Bruchgebietes setzte sich noch immer fort und griff auf der Westseite sogar über jenen Terrassenrand hinaus, wie man der geologischen Karte entnehmen kann.

Ob in der Geländesenke in dieser letzten Zwischeneiszeit, wie in der ersten, sich Moor gebildet hat, was durchaus wahrscheinlich ist, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, weil entsprechende Untersuchungen noch nicht stattgefunden haben. So müssen wir uns mit der Annahme begnügen, daß von dem heute sichtbaren Moor das Tiefste diluvial ist, alles übrige aber in der Alluvialzeit gewachsen ist. Dabei nahm das Moor den inneren Hauptteil der Senke ein, während ein schmaler Randstreifen mit Auelehm und Sand, dem gewöhnlichen Alluvialboden, ausgefüllt wurde.

Endlich sei noch erwähnt, daß das Hücker Moor in der 2 km entfernten runden Niederung südwestlich Werfen, die teilweise auch von Torf eingenommen wird, ein bescheideneres Seitenstück zu haben scheint.

Die Wasserfläche des Hücker-Moores ist das Kernstück des 62 ha großen geschützten Landschaftsbestandteils, zu dem noch ca. 21 ha Laubwald, etwa 18 ha Grünland und ungefähr 6 ha Ackerflächen gehören.

Das Hücker-Moor ist durch einen eiszeitlichen Erdfall entstanden. In der Folge füllte sich die entstandene Senke mit ungeordnetem Grundmoränenmaterial, auf dem sich nachfolgend ein Niedermoor bildete. Durch Abtorfung seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstand der Hücker-Moor-See mit seinen typischen „Fingern“, die die Parzellen der verschiedenen Eigentümer darstellen.

Das Stillgewässer und wird von Grundwasser und kleinen oberirdischen Zuläufen gespeist. Den Auslauf bildet der Moorgraben, der nach Osten in die Else fließt. Die freie Wasserfläche hat eine Tiefe von 50–80 cm, die Wassergüte ist bei einer Sichttiefe von 0,15 cm als übernährstoffreich einzuordnen.

Das Wasser erwärmt sich im Sommer infolge der Sonneneinstrahlung sehr stark, der Sauerstoffgehalt nimmt ab, das Algenwachstum wird gefördert und es besteht die Gefahr, dass der See ”kippt”. Die Senke des Sees bildet eine so genannte Düngerfalle, in deren Folge sich am Grund eine immer dicker werdende Schicht Faulschlamm ansammelt. Die Gefahr von Fischsterben wächst und der See verlandet immer mehr.

Ursache hierfür sind die stark nährstoffhaltigen Zuflüsse, das Anfüttern von Wasservögeln und Fischen durch die Besucher, der jährliche Laubeinfall, der Eintrag von Schlamm infolge von Erosion aber auch der Nährstoffeintrag aus der Luft.

Dabei bietet das Gebiet mit seinen Feuchtwiesen-, Röhricht-, Hochstauden- und Waldgesellschaften noch immer etwa 50 Vogelarten, sowohl Brutvögeln als auch Nahrungsgästen und Durchzüglern, einen Lebensraum. Ebenso ungefähr 250 Schmetterlingsarten (mindestens 22 davon stehen auf der Roten Liste), einigen Schnecken, Muscheln, Fledermäusen und Amphibien. Die vorkommenden Fischarten sind überwiegend vom Angelverein eingesetzt worden. Viele Tierarten, wie beispielsweise der Pirol, haben sich in den letzten Jahrzehnten vom Hücker Moor verabschiedet.

Außer vom Angelverein wird das Hücker-Moor zum Rudern und Tretbootfahren  (mit seiner ca. 11 ha großen Wasserfläche bietet er die einzige Möglichkeit im Kreis Herford dazu), für Modellboote und im Winter zum Schlittschuhlaufen genutzt. Um diese attraktive Wasserfläche zu erhalten, wurde ausgehend vom ”Runden Tisch” der Seenutzer und Naturschützer unter der Schirmherrschaft der Stadt Spenge ein Pflege- und Entwicklungskonzept erarbeitet, zu dem alle Interessengruppen ihren Beitrag leisten.

In der Umsetzung sind in der Vergangenheit Informationstafeln aufgestellt, Erosionsschutzstreifen angelegt, Raubfische eingesetzt, die angrenzende Grünlandbewirtschaftung extensiviert, Schutzabsperrungen an der West-, Süd- und Ostbucht aufgebaut, Pappeln gefällt, kleine Teilentschlammungen und viele andere Maßnahmen durchgeführt worden.

Für das leibliche Wohl der Besucher sorgen mehrere am See gelegene Gastronomiebetriebe mit ihren Restaurants und Biergärten.

 

Hücker-Moor-alt-8a

 

 

Der Moorbach
Der Moorbach ist der von Menschen gebaute Abflußgraben des Hücker Moores und mündet nach wenigen Kilometern in die Else. Obwohl er ein Fließgewässer ist, sehen Sie kaum eine Strömung. Das geringe Gefälle verleiht ihm eher Eigenschaften eines Stillgewässers, das fehlende Ufergehölz verstärkt diese, indem die starke Erwärmung des Wassers gefördert wird und zu einem geringen Sauerstoffgehalt führt. Die intensive landwirtschaftliche Nutzung entlang des Baches führt zu einem verstärkten Nährstoff- und Erosionseintrag. Drei- und Neunstachliger Stichling sind deshalb auch die einzigen vorkommenden Fischarten.

 

P1180107-webAblauf des “Moorbachs” in Richtung des Flusses “Else”.
Foto: CHRISTINA ELLENBERG

 

 

P1180113 - webDer “Moorbach” aus Richtung des Hücker Moores kommend.
Fotos: CHRISTINA ELLENBERG

 


 

Neue naturkundliche Analysen zur Vegetations- und Siedlungsentwicklung

Die Pollen aus dem Hückertorf

Sein Titel ist sehr trocken: „Pollenanalytische Untersuchungen zur Vegetations- und Siedlungsentwicklung im westlichen Weserbergland”.

Doch sein Inhalt ist geradezu aufregend: Es beschreibt die wesentlichen Veränderungen der Vegetation unserer Landschaft bis fast 10.000 Jahre zurück.

Im Landesmuseum für Naturkunde in Münster ist soeben ein Buch erschienen, das ganz neue Informationen zur Geschichte Ravensbergs liefert - bis in die jüngste Zeit hinein.

Nach der letzten Eiszeit war diese Region völlig baumfrei – wie heute die Ränder der Arktis. Seit 11.000 v. Chr. lässt sich dann eine erste Bewaldung nachweisen, zuerst von Birken, dann von Kiefern, die lange dominierend sind.

Ab 7.000 v. Chr. wandern Eichen, Ulmen, Linden und Hasel ein, ab 3.000 v.Chr. kommt es zur Bildung erster geschlossener Laubwälder.

Seit rund 4.000 Jahren hat sich dann die sogenannte potentielle natürliche Vegetation ausgebildet, wie sie ohne Beeinflussung durch den Menschen hier wachsen würde: Es wäre ein geschlossener Buchenwald.

„Doch schon seit 5.000 v. Chr. überlagern und verzahnen sich vegetationsdynamische Prozesse und landschaftsgestaltende Einflüsse des Menschen miteinander, so daß von einer ungestörten Vegetationsentwicklung seit dieser Zeit nicht mehr die Rede sein kann".

Menschen haben seitdem Wald vernichtet und zurückgedrängt, Kulturflächen angelegt und seit dem 18. Jahrhundert die Zusammensetzung der Vegetation völlig verändert.

Woher weiß man das alles?

Winzig kleine Pflanzenpollen haben es verraten. Jede Pflanzenart hat charakteristische Pollen, die zum Glück viel länger überdauern als die Pflanze selbst. Vor allem dort, wo sich im Laufe der Jahrtausende dicke Torfschichten abgelagert haben, verrät beim Blick in die Tiefe die Zusammensetzung der Pollen viel über das Aussehen der Pflanzendecke vergangener Zeiten, wenn man - zum Beispiel mit der sogenannten C 14-Methode - die einzelnen Schichten zeitlich genau datieren kann.

Der Biologe Holger Freund hat neben anderen Gebieten Nordwestdeutschlands auch das Hücker Moor untersucht, eine Niedermoorablagerung des Ravensberger Hügellandes. Er entnahm dort eine über fünf Meter tiefe Torfsäule, in der sich bis in 527 cm Tiefe Pollen nachweisen ließen.

Ringsum ein lindenreicher Eichenwald

Von 6.000 bis 3.000 v. Chr. wuchs demnach um das Hücker Moor, das selbst ein Erlenbruchwald war, ein lindenreicher Eichenwald. Die ersten Buchen lassen sich erst um 4.500 nachweisen. Am überraschendsten ist, wie früh Pollen von Pflanzenarten gefunden wurden, die Siedlungsaktivitäten und Landbewirtschaftung anzeigen: Die ersten Getreidenachweise vom Hücker Moor stammen von 4.500 v. Chr.!

Seitdem werden, zuerst auf kleinen Rodungsinseln im Wald, Kulturpflanzen angebaut. Der Roggen erscheint zum ersten Mal in der nachchristlichen römischen Kaiserzeit. Zur selben Zeit fanden offensichtlich auch erste Rodungen in den feuchten Erlenbeständen statt.

Die Völkerwanderung unterbrach dann den Anbau und die Siedlungstätigkeit, obwohl die Landwirtschaft nicht völlig aufgegeben wurde. Offensichtlich im 6. Jahrhundert erreichten die einwandernden Sachsen das Ravensberger Land. Getreidepollen im Torf belegen ihren Landbau.

Im 8. und 9. Jahrhundert geht die Siedlungstätigkeit nach dem Sieg der Franken voll los, die in der Neuzeit nur relativ kurzfristig, etwa durch die Auswirkungen der Pest um 1.350 oder den Dreißigjährigen Krieg, unterbrochen wurde.

Die Pollen des Hückertorfs belegen auch Flachsanbau bereits m Mittelalter.

 

Hinweis:

      Die Arbeit von Freund, Zusammenfassung seiner Dissertation an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, ist nicht immer ganz einfach zu lesen.

      Doch schmälert das keinesfalls ihre Bedeutung. Das Buch ist als Heft 1/1994 der „Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde“ in 48161 Münster, Sentruper Straße 285, erschienen und kann von dort bezogen werden.

 

© der Zusammenfassung ECKHARD MÖLLER

 


 

 

IMG_20190917_113156 - KopieEin Spenger Trio: Ein Spenger Kriegsurlauber mit zwei jungen Damen im Jahre 1916 bei einer Kahnpartie auf dem Hücker Moor. Wahrscheinlich handelt es sich bei diesem Bild um die älteste noch existierende Aufnahme vom Hücker Moor!!!
(Da zum Zeitpunkt der Aufnahme  eine der beiden Damen noch gelebt hat, ist die Altersangabe des Fotos richtig).

 

 

IMG_20190917_120618 - KopieEine historische Kahnpartie im Sommer 1920

 

 

IMG_20190917_105829-KopieEinen originellen Einfall hatte ein Eismann am Hücker Moor, das am letzten Wochenende Tausende von Besuchern angezogen hatte, die sich dort am Strand in der Sonne aalten oder dem Wassersport huldigten.

 

“Dienst am Kunden” ist seine Parole, und so nahm er sich im Juli 1955 ein Boot, warf mitten auf dem See Anker und machte dort einen schwimmenden Eisstand auf, so dass die Ruderer, wenn sie Hunger (oder Durst) auf ein Eis verspürten, nicht erst an Land zu fahren brauchten, sondern gleich auf dem Wasser ihr Eis bekommen konnten. Der Eismann ist im Hintergrund vom 2. Ruderer von links zu sehen - weiße Jacke. Zu dieser Zeit wurde fast ausschließlich herrlich-leckeres Eis von “MOBI” (Molkerei Bielefeld) verkauft.

 

 

IMG_20190916_190923 - KopieDelia Horstmann

 

 

IMG_20190916_155046aBoote auf dem Hücker Moor.

 

 

01xxx - KopieHücker Moor

 

 

147neuDieser Blick zurück zeigt, wie die Wasserfläche in die Senke eingebettet ist. Und in Waldbereiche, umgeben von Grünland und ausgedehnten Ackerflächen an den Hängen. Im Hintergrund ist das Wiehengebirge zu sehen.
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

148Eine echte Idylle. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein.
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

149Eine echte Idylle. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein.
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

005xIm Hintergrund das Anglerheim.
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

006neuEine echte Idylle. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein.
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

007neuEine echte Idylle. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein.
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

008neuEine echte Idylle. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein.
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

009neuGaststätte und Restaurant Beckmann’s
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

010neuBei schönen Wetter laden diese Boote zu einer Seefahrt ein...
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

011neuBei schönen Wetter laden diese Boote zu einer Seefahrt ein...
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

012neuBei schönen Wetter laden Boote zu einer Seefahrt ein...
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

013neuWo könnte man besser entspannen und genießen..
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

014neuEinladende, geheimnisvolle Wanderwege.
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

015neuEinladende, geheimnisvolle Wanderwege.
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

016neuWinter am Hücker Moor
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

017neuWinter am Hücker Moor
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

019neuWinter am Hücker Moor
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

018neuWinter am Hücker Moor
Foto: GÜNTER ELLENBERG

 

 

 

Seltene Filmaufnahme vom Hücker Moor aus dem Jahre 1962.

Für die Überlassung des Films danke ich Frau ACHTERBERG ganz herzlich. Insbesondere auch deshalb, weil mit den Aufnahmen viele persönliche Erinnerungen verbunden sind.

 


Kleine Herbstfahrt zum Hücker Moor     (zum Bericht hier:)

Aus “Neue Westfälische Volkszeitung” vom 15.09.1935

Quelle: Buch “So war es in Spenge   Anno dazumal”
© August Wehrenbrecht

 


 

Zeitungsbericht von August 2010

Ausflugsziel seit 1877

Das Hücker Moor lockt Ruhesuchende dorthin, wo ehemals ein großes Loch im Torfgebiet klaffte.

Fast jeder im Kreis Herford kennt es - das Hücker Moor. Viele haben dort schon die Seele baumeln lassen. Bei einem gemütlichen Picknick oder einer beschaulichen Bootsfahrt. Doch seit wann ist das Hücker Moor ein Ausflugsziel? Und seit wann gibt es den See überhaupt?

Diese Fragen hat sich Helfried Horstmann aus Herford gestellt, nachdem er den Artikel "Spiegelnde Zeugen der Eiszeit" am 3. August 2010 in der Zeitung gelesen hatte.

Zu seiner Pensionierung vor vier Jahren schenkten seine Kollegen dem ehemaligen Lehrer eine Karte vom Kreis Herford aus dem Jahr 1837: „Die stand lange in einer Ecke und war schon völlig verstaubt. Weil ich mich für alte Landkarten interessiere, habe ich sie mir zum Abschied gewünscht.“ Aber: Auf der Karte ist noch kein Hücker Moor zu sehen.

Zwei Kenner in Sachen Hücker Moor helfen weiter: Ludwig Seippel, der sich schon als Schüler mit dem Hücker Moor beschäftigt hat, kennt die Karte. "Ein See war 1837 noch nicht da. Aber es gab zu der Zeit schon die ersten Torfstiche“.

Helmut Kreft weiß, dass „alles um das Jahr 1782 angefangen hat“. Kreft hat sich intensiv mit dem Hücker Moor als Torf-Abbaugebiet befasst: „Da haben Kinder auf dem Wiesenbruch, wie das Gebiet des heutigen Hücker Moores damals noch hieß, gespielt und gekokelt. Dabei hat ein Funke einen Brand entfacht, den die Kinder nicht mehr löschen konnten.

Als sie Hilfe holten, erinnerte sich der Vater der Kinder an eine Bemerkung seines Vaters, dass es dort eventuell Torf-Vorkommen gebe.“

Und tatsächlich fanden sie das in der Zeit des Brennstoffmangels wertvolle Material und begannen mit dem Torfabbau.

„Vor allem in den Not-Jahren um 1848 wurde viel Torf abgebaut“, berichtet Ludwig Seippel. Wie lange der Abbau betrieben wurde, kann er nicht genau sagen.

Er wurde langsam weniger und fand um 1900 ein Ende. Irgendwann habe sich der Abbau einfach nicht mehr gelohnt, erklärt Helmut Kreft. Der Hauptgrund seien Probleme mit der Entwässerung gewesen. Außerdem wurde die Torfqualität schlechter und der Kohleabbau nahm zu. Heute erinnern die Landzungen, „Torfnasen“ genannt, über die damals der Torf abgefahren wurde, an den Ursprung des Hücker Moors.

Den genauen Zeitpunkt, an dem aus den einzelnen Tümpeln der heutige See entstand, könne man nicht bestimmen, sagt Ludwig Seippel: „Es dauert Jahre bis ein See entsteht. Er ist nicht plötzlich da, sondern entsteht nach und nach.“

Sicher ist, dass der See schon vor dem endgültigen Ende des Torfabbaus da war. Reinhold Beckmann vom Restaurant Beckmann berichtet, dass sein Urgroßvater schon 1877 die erste Trinkhalle und einen Bootsverleih am „Hücker“ eröffnet habe. Damit begann der Tourismus am Hücker Moor.

 

 

Kopie von img337Foto um 1920. Es zeigt die Mutter von Ludwig Seippel, die mit einigen Freunden einen Ausflug zum Hücker Moor macht.
Archiv: LUDWIG SEIPPEL

 

„Damals gab es nur einfache Bänke und Buden am Hücker Moor“, berichtet er. „Das war nicht mit heute zu vergleichen. Aber Bootfahren konnte man schon.“

Seinen Höhepunkt fand der Andrang zum Hücker Moor in den 50er Jahren. So tummelten sich 1951 bei der 800-Jahr-Feier der Gemeinde Hücker-Aschen rund 15.000 Besucher am Hücker Moor. „Zu der Zeit zog es die Leute zum Wasser, aber die meisten konnten sich eine Fahrt zum Meer nicht leisten.

“Da es den Obersee in Bielefeld noch nicht gab, fuhren alle Leute aus der Umgebung zum Hücker Moor“, berichtet Seippel.

Doch die zahlreichen Touristen schädigten die Natur. Deshalb wurde 1992 der “Arbeitskreis Hücker Moor” gegründet, der mit vereinten Kräften versucht, die voranschreitende Verlandung des Sees aufzuhalten und den Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu erhalten.

Die touristische Nutzung beschränkt sich mittlerweile auf die Nordhälfte des vielleicht 150 Jahre alten Sees, während der Südteil Schutzzone ist. Heute ist der Touristenandrang nicht mehr so groß wie noch vor 50 oder 60 Jahren und es bleibt zu hoffen, dass das Hücker Moor noch lange den Menschen als Erholungsgebiet und den Tieren und Pflanzen als Lebensraum erhalten bleibt.

 

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